Von 1513 bis 1521
1285
mante hatte dort so rücksichtslos abgebrochen, daß der Windvon allen Seiten in die Kirche eindrang und eine Abhaltung desGottesdienstes durch den neuen Papst gleich am ersten Oster-tage (27. März 1513) unmöglich machte.
Oberarchitekt für den Neubau der Peterskirche blieb selbst-verständlich auch unter Leo X. Bramante. Allein die Tage desSiebzigjährigen neigten sich ihrem Ende zu. Sein Zustand warso bedenklich, daß ihm bereits am 1. November 1513 in derPerson des Fra Giocondo von Verona ein zweiter Architekt zurSeite gestellt werden mußte. Aber schon am 1. Januar mußteals dritter Architekt Giuliano da Sangallo angestellt werden, derfreilich ebenso alt wie Bramante war. Letzterer starb am11. März 1514. Sterbend hatte Bramante seinen Landsmannund Freund Raffael dem Papst als seinen Nachfolger empfohlen.Leo X . ging auf diesen Vorschlag bereitwilligst ein.
Raffael , der seit dem 1. April 1514 mit einer jährlichen Be-soldung von 300 Golddukaten provisorisch Bramantes Stellungals erster Architekt von S. Peter einnahm, fühlte sich durch dieneue Aufgabe aufs höchste geehrt und beglückt. Von nun an,so erklärte er, könne er in keiner anderen Stadt der Welt mehrwohnen als zu Rom , und zwar aus Liebe für den Bau von S.Peter. „Welcher Ort“, schreibt er am 1. Juli 1514 an SimoneCiarla, „ist würdiger als Rom ? Welches Unternehmen edlerals das von S. Peter? Ist dies doch die erste Kirche der Weltund der größte Bau, den man jemals gesehen hat. Die Kostenwerden sich auf eine Million in Gold belaufen. Der Papst hatverordnet, 60 000 Dukaten für den Bau auszugeben. Er denktan nichts anderes.“
Die Tätigkeit Raffaels für den Neubau S. Peters führte zueinem von ihm vorgelegten neuen Gesamtprojekt, das dem Papstzunächst gefiel, dann aber fallen gelassen wurde.
Nur Abbruchs- und Notarbeiten wurden an St. Peter wäh-rend der 6 jährigen Amtsdauer Raffaels geleistet.
Die Ursache lag in den durch des Papstes Verschwendungs-sucht und finanzwirtschaftliche Unordnung bewirkten Geld-schwierigkeiten des Papstes.