Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

XIII.

Durch zeitgenössische Urkunden sind zahlreiche Einzel-heiten über die Finanzwirtschaft Leos X. überliefert, von denenhier einige Beispiele mitgeteilt seien.

Der päpstliche Haushalt, der von Julius II. mit jährlich48 000 Dukaten bestritten worden war, wuchs auf das Doppelte.Kardinal Armellini gab damals dem Papste den Rat, den Salz-preis zu erhöhen. Allein der Versuch, auf diese Weise Geld zugewinnen, scheiterte an dem entschlossenen Widerstand der Be-wohner der Romagna. Man unternahm seitdem nichts ähn-liches mehr.

Die Steuern blieben im Kirchenstaate im ganzen so gering,daß sie im wesentlichen nur die Kosten der Verwaltung deckten.Man machte deshalb Anleihen, bei denen zuweilen nicht wenigerals vierzig Prozent gezahlt werden mußten.

Die Teppiche des Palastes, das Silbergeschirr der Tafel, dieJuwelen der Krone und die kostbaren Apostelstatuen der Ka-pelle wurden verpfändet. Die Truppen mußten auf ihren Sold,die Universitätsprofessoren und selbst Künstler vom Range einesRaffael und Giuliano da Sangallo auf ihr Gehalt warten.

Als der Papst plötzlich starb, standen die Gläubiger, die aufeine längere Regierungszeit gerechnet hatten, vor dem finanzi-ellen Untergange. Ein römischer Bericht vom j. Dezember 1521gibt nähere Daten über diese finanzielle Katastrophe. Amschwersten betroffen war die Bank Bini, welche 200 000 Du-katen zu fordern hatte. Sie wie das Haus Strozzi drohten zufallieren. Die Gaddi hatten 32 000, die Ricasoli 10 000, derDatar Turini 16000, der vertraute Kämmerer Serapica 18 000,der Kardinal Salviati gar 80 000 Dukaten zu fordern. Salviatiwie seine Kollegen Ridolfi und Rangoni hatten auf alle ihre Be-nefizien verzichtet, um auf diese Weise Geld zu schaffen. Siestanden ebenso vor dem Ruin wie die Kardinäle Pucci und Ar-mellini. Ersterer hatte ijoooo Dukaten, letzterer sein ganzesVermögen geliehen. Kurz, so schließt der Berichterstatter, alleGünstlinge und Diener Leos X. sind ruiniert.