Von 1513 bis 1521
1287
Der venetianische Botschafter Gradenigo berichtet aufGrund von Abrechnungen des Kardinals Cammerlengo Armel-lini, Leo X . habe während seines Pontifikates 4V2 Millionen Du-katen ausgegeben, und doch noch 400 000 Dukaten Schuldenhinterlassen.
Ein Pasquill fand Verbreitung und allgemeinen Anklang,welches sagte, Leo X . habe drei Pontifikate auf gezehrt: denSchatz Julius’ II. , die Einkünfte seiner eigenen Regierung unddiejenigen seines Nachfolgers.
XIV.
Das Bild, welches das öffentliche Leben Roms im erstenViertel des 16. Jahrhunderts darbot, ist in zeitgenössischen Be-richten vielfach eingehend geschildert worden. Diese Schilde-rungen gipfeln in der Darstellung des „konischen Rom“,der Regierungszeit Leos X . Die Hauptquellen hierfür sind dieBerichte der venezianischen Gesandten.
Alle diese Schilderungen drehen sich um die PersönlichkeitLeos X. , welche in jeder Hinsicht den eigentlichen Mittelpunktdes gesamten römischen Lebens bildete.
Den Unterschied der Stände kannte die Renaissance über-haupt nicht. Am wenigsten war er in der HofgesellschaftLeos X. bemerkbar. Die höchsten Prälaten und Diplomatenbehandelten jeden, der Talent und Persönlichkeit besaß, alsvöllig gleichberechtigt. Infolgedessen bildeten die Humanisten,Dichter, Gelehrten und Künstler ein sehr wesentliches Elementder höheren Gesellschaft der Stadt, die man der Welt Licht undSchaubühne nannte.
Freilich fehlte, wie Kardinal Bibbiena bedauerte, in Romein Element, welches an dem von Castiglione in seinem Buchegeschilderten Hofe zu Urbino reich vertreten war, die Frauen.Aber dafür waren die Dichter, Gelehrten und Künstler in derewigen Stadt umso zahlreicher. Eine so glänzende Gesellschaftwie damals hat Rom zu keiner anderen Zeit in seinen Mauerngesehen.