Von 1513 bis 1521
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sandten, sowie langwierige diplomatische Unterhandlungen,wechselten mit ausgedehnten Jagdausflügen, glänzenden Ban-ketten, musikalischen und theatralischen Aufführungen, An-hören von klassischen Reden und Gedichten, Besichtigungenvon alten und neuen Kunstwerken. „In einer Art von geistigerTrunkenheit verfloß dem Mediceer das Leben.“ (Ranke.)
Von Jugend an war Leo X. , welcher ein feines Gehör undeine wohlklingende Stimme besaß, ein schwärmerischer Freundder Tonkunst. Mit Vorliebe sprach er über Musik. In seinemZimmer stand ein Instrument, an welchem er seine musikali-schen Ideen zum Ausdruck brachte. Als Kardinal hatte er sichauch selbst in Kompositionen verbucht. Die prunkvollen Gast-mähler, die er als Papst den Kardinälen und sonstigen Vertrautenzu geben pflegte, fanden stets in musikalischen Aufführungenihren Abschluß. Noch tief in der Nacht erfüllten den Vatikan die Klänge heiterer Musik.
Theatralische Vorstellungen, glanzvoll insceniert, sowiemit anmutiger Musik und zierlichen Tänzen verbunden, warenauch sonst die beliebteste Unterhaltung Leos X. , unter welchem,wie das Festwesen, so auch die Bühne zur höchsten Blüte ge-langte.
Nicht bloß während des Karnevals, auch sonst im Jahre,mußten vor dem Papste Komödien aufgeführt werden.
Das Gefallen des Papstes an Pomp und bunten Schaustellun-gen, welches den berühmten Krönungszug von 1513 gestaltethatte, entwickelte sich bei Leo X . immer mehr zum Gefallen anausgelassenen, grotesken Massendarbietungen.
Der Veranschaulichung des bald zur öffentlichen Anstößig-keit gesteigerten Mißverhaltens des Papstes dienen die Berichte,welche wir über die Karnevalsfeste von 15x9, 1520, 1521 be-sitzen.
Am Karnevalssonntag den 6 . März 1519 wohnte der Papstder Aufführung einer ausgelassenen Komödie, der „Suppositi“des Ariost, bei, welche in der Engelsburg bei dem dort wohnen-den Kardinal Cibo über die Bretter ging. Gegen zweitausendZuschauer waren in dem zu einem großen Amphitheater um-
Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.
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