Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

gestalteten Saal zugelassen. Leo X. saß auf einem erhöhtenSessel, umgeben von den Kardinalen und Botschaftern, gegen-über der Bühne. Den Schluß des Abends machte ein vom Kar-dinal Cibo gegebenes Bankett, an welchem der Papst, siebzehnKardinale, sowie die Botschafter und die hervorragendsten Prä-laten teilnahmen. Am Montag fand ein Stiergefecht auf demPetersplatz statt, bei welchem mehrere Menschen das Lebenverloren. Die Kämpfer trugen kostbare, vom Papst geschenkteKostüme. Am Abend dieses Tages wurde wieder eine Komödievor dem Papst aufgeführt, am Faschingsdienstag sogar zwei, einevor und eine nach dem Abendessen.

So ernst sich auch das Jahr 152c anließ, von seiner Ge-wohnheit, Komödien aufführen zu lassen und sich von derHöhe der Engelsburg Tag für Tag an dem tollen Treiben derMasken zu ergötzen, ging Leo X . nicht ab. Im Gegenteil, derKarneval 1520 wurde besonders glänzend gefeiert. Das tradi-tionelle Hauptfest auf der Piazza Navona, amgiovedi grasso ,war ganz im antiken Stil gehalten und übertraf an Pomp alles,,was man bisher in dieser Hinsicht gesehen hatte.

Ein großer Triumphzug bewegte sich vom Kapitol durchdie Via de Banchi zur Engelsburg, von welcher der Papst zu-schaute, dann nach dem Petersplatz, endlich zurück zur PiazzaNavona , wo man erst bei Anbruch der Dunkelheit anlangte.In dem Zuge erblickte man dreizehn Festwagen mit der Dar-stellung der Italia, der Isis nach einer im Besitz des Papstes be-findlichen antiken'Statue, des Neptun, Herkules, Atlas, Aeolus,Vulkan, dann den Tiber , die capitolinische Wölfin, Alexander denGroßen zu Pferde, dazwischen auch zwei Kamele, welche Leo X. geschenkt worden waren. Zuletzt kam eine Weltkugel miteinem Engel darüber, welcher den Triumph der Religion dar-stellen sollte.

Auch den Karneval des Jahres 1521 brachte Leo X. wiederin der Engelsburg zu. Trotz der bedrohlichen Weltlage konnteer sich nicht genug tun in der Betrachtung von Masken, theatra-lischen Aufführungen, Tänzen und Wettkämpfen. Die Ge-schäfte ruhten vollständig.