Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

an Kriegs- und "Wasserbauten. Obwohl kein Literat, wiemanche seiner Familie, beschützte er Wissenschaft und Kunst.

Im Palast hielt er strenge Ordnung. Spaßmacher wurdennicht geduldet. Bei Tische hörte er gern Instrumentalmusik.Benvenuto Bellini schildert ihn, wie er sich im Belvedere, woer viel weilte, während des Essens an den Motetti ergötzte. Aufdie Jagd und zu anderen Vergnügungen ging er nicht.

III.

Clemens VII . war als Kardinal vielleicht der angesehenstePolitiker Italiens gewesen. Er war der Berater Leos X. undwurde von diesem mit den wichtigsten Geschäften betraut.

Durch klugen Rat und umsichtige Ausführung sich aus-zeichnend, trefflich unterrichtet, war ernon superbo, nonsimoniaco, non avaro, non libidinoso, sobrio nel victo, parconel vestire, religioso, devoto, wie ihn Francesco Vettori charak-terisiert.

Clemens VII. bestieg den päpstlichen Stuhl zweifellos mitdem Entschluß, die große Idee des italienischen Unabhängig-keitskampfes aufzunehmen. Aber die Zustände, welche er beiseinem Regierungsantritt vorfand, waren derart, daß der Willeauch des stärksten Charakters gegenüber den Europa bewegen-den Gewalten genötigt war, sich mit Kompromissen und Teil-erfolgen zu begnügen. Der Historiker Francesco Vettori schrieb:Clemens VII. trat ein Pontifikat an, welches LeosKriege und Ausgaben ruiniert, Hadrian bei der Kürze seinerRegierung und seiner Unerfahrenheit in römischen Dingennicht zu ordnen vermocht hatte. Überdies hatte er Ver-pflichtungen gegen die 15 Kardinäle, die im Conclave zu ihmgehalten hatten. Er fand Italien mit Kriegsvolk gefüllt, dieChristenheit durch den Verlust von Rhodus und die GefahrUngarns geschwächt, die Kirche bedrängt durch den Fortschrittder lutherischen Sekte. Giulio de Medici wußte sehr wohl, waser auf seine Schulter nahm. Dennoch machte er die äußersteAnstrengung, um aus einem großen und hochgeachteten Kar-dinal ein kleiner, geringgeschätzter Papst zu werden.