Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
1304
Einzelbild herunterladen
 

1304

Rom von 1492 bis 1592

Die Scharen der Kriegsknechte bemächtigten sich derSixtusbrücke, eilten die Lungara entlang, erstürmten dievon einem dem Papst als Dienstmann ergebenen Stefano Co-lonna tapfer verteidigte Porta S. Spirito, und ergossen sichdann plündernd über das vatikanische Stadtviertel.

Die wenigen Schweizer, welche im Vatikan zurückgebliebenwaren, wagten keinen ernstlichen Widerstand. Bald sah mandie Banden den Vatikan , die Peterskirche und einen großenTeil des Borgo plündern und verwüsten. Sie scheuten vorkeiner Schandtat und keinem Sakrileg zurück. Es wird be-richtet:Reliquien, Kreuze, heilige Gefäße und Gewänder wur-den geraubt. Der Altar des heiligen Petrus wurde seiner Kost-barkeiten entkleidet und entweiht. Man sah Kriegsknechte sichmit den weißen Gewändern und dem roten Hut des Papstesschmücken und höhnisch den üblichen feierlichen Segen ertei-len.

Die kostbarste Beute wurde im Vatikan gemacht, wo dieTeppiche Raffaels und die päpstliche Tiara in die Hände derPlünderer gerieten.

Der päpstliche Palast, so heißt es in dem Bericht einesAugenzeugen,wurde fast vollständig ausgeplündert, bis zu desPapstes Schlaf- und Garderobezimmer. Die große und diegeheime Sakristei von S. Peter, die des Palastes, die Zimmer derPrälaten und Hofleute, die Pferdeställe wurden ausgeräumt,Türen und Fenster zerschlagen. Kelche, Kreuze, Hirtenstäbe,kostbare Paramente wurden geraubt. Die angesehenen Leutewurden zu Gefangenen gemacht. Die Kassen aller geistlichenÄmter, des Piombo, des Sekretariats usw. wurden geleert. DieBibliothek wurde durch ein gutes Trinkgeld gerettet.

Während im Borgo vecchio alle Häuser geplündert, dieBewohner mißhandelt und als Gefangene weggeschleppt wur-den, wagten sich die Plünderer in den Borgo nuovo nicht hin-ein, weil die schwere Artillerie des Kastells hindurchfegte undalles niederstreckte, was sich dort oder längs der Mauer des nachder Engelsburg führenden Ganges blicken ließ.