Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

gelang es den Spaniern, bei der Porta del Torrione, (später PortaCavalleggeri genannt), beim Campo Santo, und gleichzeitig denLandsknechten bei den Wällen von S. Spirito, die Stadtmauerzu überwinden.

Ein erbitterter Straßenkampf entspann sich im Borgo, na-mentlich bei S. Peter und bei S. Spirito. Mit der treuen Schwei-zergarde, die sich bei dem damals noch unweit des deutschenCampo Santo stehenden Obelisken aufgestellt hatte, wetteifertendie römischen Milizen im verzweifelten Widerstand. DieseTruppen wurden fast aufgerieben.

Bald hallte der ganze Borgo wider von dem Siegesgeschreider kaiserlichen Truppen, die, unaufhaltsam vorwärtsstürmend,alles niedermachten, was ihnen in den Weg kam, ohne Rück-sicht auf Alter und Geschlecht. Fast alle Kranken im Spital vonS. Spirito, selbst die Insassen des benachbarten Waisenhauseswurden ermordet.

Vor den Altären des Petersdomes floß Blut.

Der Einbruch der Feinde in die Leostadt war so plötzlichinmitten der wallenden Nebelmassen erfolgt, daß Renzo da Ceriin kopfloser Verwirrung nach dem Vatikan flüchtete.

Dort betete Clemens in seiner Kapelle, als ihm das Heran-dringen des grauenhaften Kampfgeschreies zeigte, was gesche-hen war.

Der Papst hatte bis zu diesem Augenblick fest auf die Ver-heißungen Renzos vertraut, der seinen Kopf dafür verpfändethatte, daß die Feinde nicht in Rom eindringen würden.

Jetzt war schleunigste Flucht in die Engelsburg das einzigeRettungsmittel.

Der Papst eilte zu dem bedeckten Gang, durch welchenihn der Paolo Giovio geleitete. Dieser warf seinen violettenPrälatenmantel über das weiße Kleid des Papstes, das den Fein-den ein leicht erkennbares Ziel geboten hätte, während der Papstüber die offene Holzbrücke, welche sich an den bedeckten Ganganschloß, in die Engelsburg eilte.