Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Sacco di Roma

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Auf demselben Weg retteten sich auch die nicht kaiserlichenKardinale, die Botschafter von Frankreich und England , diepäpstlichen Hofbeamten. Aus dem Gang sah man durch dessenkleine Fenster hinausschauendden wirren Knäuel der Fliehen-den, auf welche Spanier und deutsche Landsknechte wütend ein-hieben, was der Papst mit Seufzen und Klagen bejammerte.

Der Kardinal Pucci, der auf der Flucht vom Pferde ge-stürzt und überritten worden war, gelangte noch im letztenAugenblick in das Kastell. Kardinal Armellini wurde in einemKorb hinaufgezogen.

Als die Zugbrücke emporging und das Fallgatter sank,befanden sich, so wird berichtet, gegen 3000 Personen in derBurg.Viele Nachdrängende stürzten in den Graben hinab.

Viele Bewohner der Leostadt suchten ihr Heil in der Fluchtzum Tiber hin. Kopflos warf sich die Menge in die Kähne, sodaß manche Boote infolge Uberfüllung sofort untersanken.

Vom Kastell herab blickten die Verteidiger auf die Cam-pagna, von dort ein Feuerzeichen nahender Rettung erwartend.Aber es erschien nichts.

Als es abends sieben Uhr geworden war, hatte das kaiser-liche Kriegsvolk, über den Ponte Sisto eindringend, wie dasTrastevere so auch die Stadtteile des linken Tiberufers besetzt.

Die Hauptleute hielten den Kern der Armee immer nochin geschlossenen Rotten beisammen: die Landsknechte auf Cam-po de Fiori, die Spanier auf Piazza Navona, während FerranteGonzaga die Engelsbrücke bewachte.

Furchtbare Stunden gingen bis zur Mitternacht hin, denndie Kaiserlichen blieben bis Mitternacht noch unter Gewehr.Dann erst lösten sich die Reihen, zuerst auf der Navona, dannauf Campo di Fiore . Um 12 Uhr stürzten sich 30 000 Kriegs-knechte *) in dämonischer Wut auf Rom zur Plünderung in dieStraßen der eigentlichen Stadt.

*) Die Ziffer 30000 wird fast allgemein angenommen, und zwar so, daßin ihr außer 20000 Landsknechten und Spaniern etwa 10000 Landstreicher undBanditen enthalten sind, welche sich auf dem Marsch nach Rom und in Rom denKaiserlichen angeschlossen hatten.