Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

aber auch nicht ohne Roheit das Unglück schildert, in welchemerin einem engen Saal den Papst samt den Kardinalen traf.

IX.

Wie es in der Stadt einen Monat nach dem Sacco aussah,beschreibt ein Spanier:In Rom , der Hauptstadt der Christen-heit, wird keine Glocke geläutet, keine Kirche geöffnet, keineMesse wird gelesen, es gibt weder Sonntag noch Festtag. Diereichen Läden der Kaufleute dienen als Pferdeställe. Die herr-lichsten Paläste sind verwüstet, viele Häuser verbrannt, dieTüren und Fenster der anderen zerbrochen und fortgeschleppt,die Straßen in Misthaufen verwandelt. Der Gestank der Leichenist entsetzlich. Menschen und Tiere haben gleiches Begräbnis.

Vom ii. Juni an ließ Prinz Philibert von Oranien täg-lich drei spanische und drei deutsche Hauptleute mit ihrenKompagnien in der Stadt patrouillieren, was umso notwendigerwar, als Hungersnot und Pest täglich Zunahmen.

Nach dem Berichte eines Venetianers zählte man an man-chen Tagen fünfhundert, sogar siebenhundert und selbst tausendTodesfälle.An eine Bestattung der Leichen war nicht mehr zudenken.

Mitte Juni verließen die spanischen und die italienischenTruppen endgültig die Stadt und suchten entferntere Um-gebungen auf. Die Landsknechte aber blieben noch in der Stadtund drohten, alle Hauptleute zu ermorden und Rom einzu-äschern, wenn sie nicht Sold erhielten. Oranien und Bemelbergbestimmten endlich am io. Juli, ihre gänzlich verwildertenTruppen zu veranlassen, tiberaufwärts zu ziehen, dort in pest-freier Gegend ein Lager zu errichten und die Zahlungen desPapstes abzuwarten. Nur in der Engelsburg blieb eine Besatzungzurück.

Oranien zog mit 150 Reitern nach Siena, Bemelberg undSchertlin von Burtenbach zogen mit den Landsknechten nachUmbrien. Die Befehlshaber waren gegenüber den Soldaten fastgänzlich machtlos: schon vorOrte meuterten die argwöhnischen