Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

französischen Partei in Neapel , zu wahren, womöglich zumehren.

Am 19. Dezember 1527 besetzte Lautrec die Stadt Bologna .Von dort zog er im Februar 1528 gen Süden, überschritt am10. Februar den Fluß Tronto (östlich des römischen Appenin),das heißt er nahm nicht die Richtung auf Rom, sondern aufNeapel . Dadurch wurden die Barone der Partei Anjou imKönigreich Neapel veranlaßt, sich zu erheben, und es wurdeklar, daß dieser Feldzug weit mehr entscheiden müsse als denErfolg eines französischen Abenteuers, daß es sich zunächstaber um die Herrschaft in Neapel handeln müsse.

Im Neapolitanischen war Lautrec siegreich, bis sich seit demApril der Krieg in der mörderischen Belagerung der Hauptstadtzusammendrängte. Hier verwandelte sich das WaffenglückLautrecs in vernichtendes Unglück. Die Pest verschlang dieFeinde in beiden Lagern. Durch Schwert und Krankheit wur-den die Plünderer Roms wie ihre Gegner hingerafft.

Ihr erlag am 15. August auch Lautrec selbst. In seinemeigenen Zelt, im Weinberg des Herzogs von Montalto vor Ne-apel wurde der unglückliche Feldherr unter einem Sandhaufenverscharrt, und dort grub ihn nachher ein spanischer Knechtaus, trug ihn über seinen Schultern durch ganz Neapel und be-hielt ihn bei sich in einem Keller, hoffend, daß jemand ausFrankreich die Leiche des Marschalls einlösen werde. Die Non-nen von S. Chiara erstanden sie, und sie begruben Lautrec inihrer Kirche ehrenvoll.

XII.

Am 6 . Oktober 1528 zog der Papst, dem gebieterischenVerlangen Karls V. entsprechend, wieder in Rom ein, geleitetvon seiner Schweizergarde und beschützt von einem Trupp desverhaßten kaiserlichen Fußvolks. Er kam unter strömendemRegen, kurz vor der Dunkelheit. Niemand holte ihn ein. Sowollte er es selbst. Er ritt durch die Stadt, weinend und dasVolk segnend. Manchmal breitete er die Arme aus, als wollteer Rom umfassen, dann hob er die Hände gen Himmel. An der