Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rückschau und Umschau im Jahre 1534

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Wegen der Pilger, die fortlaufend nach dem S. Peterströmten, hatten sich im Borgo zahlreiche Gastwirtschaften an-gesiedelt. Die Wirte waren im ij. Jahrhundert meist Schweizer und Deutsche. Sie führten bunte Wirtshausschilder mit drasti-schen Emblemen: da gab es die Tavernen zum Engel, zur Sonne,zum Spiegel, zum Mädchen, zum Pilgerstab, zum Helm. Mehrals sechzig solcher deutscher Wirtshäuser und Schenken zählenalte Register im Borgo schon in der Zeit Eugens IV. auf.

Die aus dem Borgo nach Trastevere führende Straße, dieheutige Lungara, hieß Via Janiculensis. Sie war im Jahre 1500nur ein Landweg, über dem sich in Weinbergen S. Onofrioerhob. Hie und da stand ein Wohnhaus. Nahe an der PortaSettimiana lag noch eine alte Kirche: S. Giacomo, mit Grab-steinen des trasteveriner Geschlechts der Papareschi, und dasLandhaus Girolamo Riarios, woraus später der Palast Corsini entstand.

Berühmte Zierden Trasteveres waren die alten Kirchen:S. Maria, Crisogono, Cecilia, Agata, S. Rufina und Secunda,Francesco a Ripa, S. Cosimato.

Kurz vor 1500 war die aus dem 9. Jahrhundert stammendeKirche S. Pietro in Montorio (an der Stirn des Janiculum) re-naissancemäßig erneuert *).

Die Abgeschlossenheit Trasteveres erhielt den Charakterdes Mittelalters dort länger als sonst in Rom. Ein seltsamesLabyrinth von Gassen sah man dort, mit altertümlichen Basi-liken, mit Palästen aus Ziegelstein vorgotischer Form zumal inden Säulenportiken, oder mit gotisch-romanischen Türen undFenstern, und kleinere Häuser mit Vorbauten und steinernenFreitreppen. Trastevere starrte noch von Türmen des Mittel-alters.

Das Tiberufer,Ripa Grande oderRipa Romea, auchwohlRipa genannt, trug die Zollhäuser für den Flußverkehr,

*) Die Kosten des Neubaues spendeten Ferdinand und Isabella vonSpanien, auf Anregung Sixtus IV. Die Einweihung fand 1500 unter Alex-ander VI. statt.