Förderlicher für die Ergänzung der vorstehenden stückwei-sen Linienziehung ist eine Uberblickung des ganzen Stadtgebie-tes aus der Vogelschau. Wir unternehmen dieselbe mit Hilfedes Stadtplanes auf Tafel IV unseres Werkes. Auf dieser Karteziehen wir eine gerade Linie, welche von „Colonna M. Aurelii“(nahe dem „Mausoleum Augusti “) nach der Nordostecke des„Palazzo Lateranese“ (nahe der Porta Asinaria) geht. DieseLinie verlängern wir einerseits bis zum Tiberufer („Via dellaStrofa“) andererseits bis zur Porta Asinaria. Die beiden End-punkte dieser Linien liegen in der Aurelianischen Stadtmauer .
Auf der Grundlage dieser planimetrischen Aufteilung desvon den Aurelianischen Mauern umschlossenen Stadtgebietesin zwei ungefähr gleich große Hälften gewinnen wir die fürdas Verständnis der römischen Stadtentwicklung äußerst wich-tige Anschauung, daß Rom im Jahre 1500 in der nordöstlichunserer Linie liegenden Hälfte fast völlig unbewohnt war *),während die südwestlich dieser Linie liegende Stadthälfte vonWohnstätten der verschiedensten Art erfüllt war, soweit nichtdie überall dazwischen aufragenden oder umgestürzten Ruinenantiker und mittelalterlicher Baumeister den Platz einnahmen.
Zur Verdeutlichung und Erklärung dieses Bau- und Be-wohnungsstandes unternehmen wir einen historischen Über-blick über die Entwicklung der nordöstlichen Romhälfte, undzwar von der Zeit Sullas (89 v. Chr.) an.
*) Daß dieser Zustand seit dem Jahre 410 n. Chr. bis 1500 im wesent-lichen ununterbrochen bestanden hat, geht aus der gesamten Geschichte derStadt während dieses Zeitraumes hervor. Seine Entstehung ist jedem direk-ten geschichtlichen Zeugnisse entzogen worden durch das plötzliche rest-lose Verschwinden der Einwohnerschaft der nordöstlichen Romhälfte inner-halb weniger Stunden, teils in der Asche und in den Trümmern der Stadt,teils in der Flucht der von Todesangst gepeitschten Zehntausende in weiteFernen. Unserer Darstellung jenes fürchterlichen Vorganges und seiner Zu-sammenhänge (Seite.544 bis 564, s. namentlich auch S. 551—561) haben wirhier nichts hinzuzufügen. Die dort angekündigten Folgen (S. 560—561) sindin zeitgenössischen Berichten (S. 562—563) prophezeit. Die Schmeichler desFfonorius (Seite 564) haben gelogen.