Rückschau und Umschau im Jahre 1534 1353
Die dauernde Unbewohntheit des der Aurelianischen Mauer östlich und nordöstlich vorgelagerten Geländes (es handelt sichimmer um die Spanne zwischen Tiburtina und Salaria) beruhtauf zwei allgemeinen Gesichtspunkten: erstens darauf, daß jenesGelände tatsächlich das Glacis der Festungswerke war, auf wel-chen in erster Linie Roms militärische Sicherheit beruhte, zwei-tens auf der Tatsache, daß dieses Gebiet seit der republikani-schen Zeit bis über das Jahr 1500 hinaus das große Begräbnisfeldder Stadt Rom war, wofür das „Sepulcrum Commune“ nur einBeispiel, aber insofern besonders bemerkenswert ist, als es dentrostlosesten Abschnitt der Kaiserzeit kennzeichnet, in welchemman das schöne nationale Erbteil der Nation, den Respekt vorden Toten, verleugnete, indem man die Armen in Massengräbernverscharrte.
VII.
Der vorstehenden Schilderung des Kulturbildes der Stadtim ersten Viertel des 1 6 . Jahrhunderts lassen wir einen einheit-lichen Überblick über die Entwicklung der Stadt von 1500 bisgegen 1600 folgen.
Diese Erstreckung des Rahmens der Darstellung ist durchden besonderen Charakter des „Cinquecento“, welches man „dasereignisreichste Jahrhundert“ genannt hat (A. v. Reumont), ver-anlaßt. Sie entspricht der Forderung prägnanter Kürze im In-teresse klarer Erkenntnis der großen Zusammenhänge.
Das 15. Jahrhundert hatte die Stadt Rom zugunsten desverweltlichten Papsttums politisch entmündigt. Dies war dasWerk der Päpste von Martin V. (1417—1431) bis Innocenz VIII.(1484—1492), den Begründern des „Papst-Königtums.“ Wirhaben darüber in unserem Buch XXII, Kapitel 4 und j berichtet.
Das 1 6 . Jahrhundert machte die Stadt zu der glänzendenWeltmetropole der römisch-katholischen Kirche, des Ergeb-nisses der „katholischen Reformation“, des Werkes der Päpstevon Paul III. (1534-1549) bis Sixtus V. ( 1585—1590).
Wie der Kirchenstaat so wurde die Stadt Rom mit der ka-tholischen Kirche in der Person des Heiligen Vaters durch Per-
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