Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1534 bis 1592

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Anders war es mit den Päpsten nach 1534.

Als Paul III. (15341549) die Papstwürde empfing, lag eineeinzige große und zwingende Aufgabe vor ihm:Reform derKirche an Haupt und Gliedern.

Jedem der Päpste bis zum Jahre 1592 war jene Aufgabeschicksalsmäßig vorgezeichnet. Keinem von ihnen konnte esin den Sinn kommen, sich dieser Aufgabe zu entziehen. DieKirchliche Restauration (das Stichwort für die ganze Zeit bis1775) war seit dem Tode Clemens VII. bis 1592 so selbstver-ständlich, daß nur die Frage offen blieb, mit welchen Mittelnjeweils der Papst die Restauration verfolgte. Auch die Beant-wortung dieser Frage nahm ihm zum Teil die Bewegung selbstaus der Hand, welche die ganze Kirche ergriffen hatte.

Die Gründung des Jesuitenordens (Societas Jesu , Compag-nia Gesü) im Jahre 1538, die Einsetzung der Kongregation derInquisition im Jahre 1542, das Konzil von Trient in den Jahren1545 bis 1563, der Index Librorum Prohibitorum (seit 1550) undvieles andere, das in derselben Richtung geschah, wies den Päp-sten die Mittel für ihre Politik an. Sie waren nicht frei im Ge-brauch dieser Mittel, wenngleich sowohl der Orden der Jesuiten als die Inquisition in grundsätzliche zentrale Unterordnung unterdenHeiligen Stuhl gestellt wurden, und wenngleich das Tri-dentinum im letzten seiner Dekrete die von ihm gefaßten Be-schlüsse der päpstlichen Bestätigung unterwarf. Die Frage despäpstlichen Primates ließ man in Trient bewußtermaßen unent-schieden.

Paul III. hatte sowohl an der Gründung des Jesuitenordensals an der Einsetzung der Inquisition führenden Anteil.

Der Verlauf des Tridentinischen Konzils, welches eine neueEpoche der Kirche eröffnete, wurde von den Päpsten Julius III. (15501355), Paul IV. (i555 1 559)= Pius IV. (1 559 1 565)maßgeblich beeinflußt.

Radikal in der Wahl der Mittel zur Herbeiführung derRestauration verfuhren die Päpste Pius V. (15 661572) undGregor XIII . (15721585), welche zum Schutz der reinen Lehre

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