Von 1534 bis 1592
1367
Die Geschichte der Aquaedukte ist schicksalsvoll wie dieGeschichte Roms , ein Abbild des "Wechsels von Aufbau undVerfall.
Der einzige Aquaedukt, welcher trotz aller sonstigen Zer-störung immer geflossen hat, bis in die Gegenwart des 20. Jahr-hunderts hinein, ist die Augusteische Aqua Virgo (Acqua Ver-gine), seit dem Mittelalter „Acqua di Trevi“ *) genannt (eigent-lich: „acqua del trivio“), welche Agrippa ausgebaut und zuseinen Thermen am Pantheon geleitet hatte.
Die Aqua Virgo kam aus der Nähe von Labicum, bei derVia Collatina (vgl. unsere Tafel V). Am Monte Pincio , unter-halb der Villa Borghese , bei dem sogen, „muro rotto“ trat siedurch die Aurelianische Mauer in die Stadt ein, in welcher sieannähernd gradlinig zu dem Becken der Fontana Trevi lief.Die Virgo ließ somit das ganze östliche Hügelgebiet der Stadtvöllig unberührt.
Daß die Aqua Virgo in der Bulle von 1590 nicht erwähntwird, steht der Ununterbrochenheit des Wasserflusses diesesAquaeduktes nicht entgegen. Die Bulle spricht nur von den„höher gelegenen Stadtteilen“, für welche die Virgo niemals inBetracht kam.
Der Zustand völliger Verödung, von welchem Sixtusspricht, gilt für sämtliche Aquaedukte außer dem Virgo.
Wieviel in diesem Tatbestände auf das „Alter“ zurückzu-führen war, läßt sich nicht mehr feststellen.
Hinsichtlich der Zerstörung durch die Barbaren kommenfolgende Vorzüge in Betracht:
1. die Belagerung der von Beiisar besetzten Stadt durchden Ostgoten Vitiges im Jahre 537 n. Chr.,
2. die Inbrandsetzung der Stadt durch den dem PapstGregor VII . („Hildebrand“ 1073—1085) beistehenden Norman-nenführer Robert Guiscard im Jahre 1084.
*) Der Brunnenbau der Fontana Trevi rührt von Clemens XII . (1730bis 1740) und wurde von Clemens XIII . im Jahre 1762 vollendet.