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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
Entstehung
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DIE FOLGEN DES DEUTSCH -ÖSTERREICHISCHENMÜNZVEREINS VON 1857.

EINLEITUNG.

Die in Osterreich bis zum Schlüsse des Jahres 1867geprägten Vereinsthaler sind bekanntlich noch heute (1894)im Deutschen bleich den Thalern deutschen Gepräges voll-kommen gleichgestellt. Sie sind, der Thaler zu drei Markgerechnet, gesetzliches Zahlungsmittel für jeden Betrag, alsoKurantgehl wie die Reichsgoldmünzen. In Österreich selbstdagegen ist diesen Münzstücken seit dem 1. Juni 1893 dieGeldeigenschaft genommen. 1 Wir haben hier also den merk-würdigen Fall, dass eine Münze, welche in ihrem Heimat-land selbst keine Giltigkeit mehr hat, in dem Münzweseneines fremden Staates Geldcharakter im strengsten Sinnedes Wortes geniesst. Diese Merkwürdigkeit deutet auf inte-ressante Vorgänge, denen sie ihr Entstehen verdankt. Beider Untersuchung derselben werden wir auf Fragen stossen,welche für die Theorie unseres modernen Geldwesens an Be-lehrungen und Erkenntnissen ungemein reich sind. Nur ausdiesem theoretischen Interesse, nicht weil ich den in Fragestehenden Verhältnissen irgend eine hervorragende praktischeBedeutimg beilege, bin ich an die nachfolgende Untersuchungherangetreten, welche sich nicht nur mit den österreichischenThalern, dem letzten sichtbaren Uberrest des deutsch- öster-reichischen Münzvereins, sondern mit dessen münzpolitischenFolgen überhaupt, auch mit den heute bereits überwundenenund vergessenen, beschäftigt.

1 Durch eine Verordnung des Finanzministers vom 12. April 189'i,(gemäs Ermächtigung durch § 2 des Gesetzes vom 24. März 1893).

Helft er ich, Der deutsche Müazverein von 1857 bis 1871.

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