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Denn ein deutscher politischer Verein muss in unsrer Zeitauch zum Zollverein werden, und umgekehrt, oder das einewie das andere bleibt eine Unwahrheit, eine Täuschung". 1Hier ist die politische Tendenz der österreichischenZollvereinigungsbestrebung mit klaren Worten ausgesprochen.In der That hatte Osterreich für die nächste Zeit wirt-schaftliche Vorteile von einer solchen nicht zu erwarten;im Gegenteil! Die deutsche Industrie war damals in denmeisten Zweigen der österreichischen sehr überlegen. Des-halb nahmen auch die österreichischen Industriellen, beson-ders die böhmischen, sehr entschieden Stellung gegen BrucksPläne, welche das bisher bestehende Prohibitivsystem be-drohten. 2
Einer zollpolitischen Vereinigung Gesamtdeutschlandsstand der bestehende Zollverein sehr im Wege. Dort hattePreussen die Führung. Wollte es keinen politischen Selbst-mord begehen, so musste es diese ausschliesslich behalten,durfte sie nicht mit Österreich teilen; mit andern Worten:es musste Österreich überhaupt vom Zollverein fernhalten.Dementsprechend verhielt es sich völlig ablehnend gegenalle diesbezüglichen österreichischen Vorschläge: zu einemHandelsvertrag war es bereit, zu einem Zollverein nieund nimmer.
Da auf diesem Wege nichts zu erreichen war, bliebOsterreich das einzige Mittel, den Zollverein zu zerschmet-tern, und aus den Trümmerstücken ein neues Gebilde zuformen, mit oder ohne Preussen. Das war die Politik desFürsten Schwarzenberg .''
Der Zeitpunkt war gut gewählt. „Damals nämlichhatten sich im Zollverein bedenkliche Spaltungen gezeigt.Preussen neigte, nicht gerade zum Freihandel, aber dochzu Zollermässigungen und Verkehrserleichterungen, währenddie süddeutschen Staaten im Interesse ihrer Fabrikanten auf
1 Dr. Karl Mamroth, die Entwiokelung der österreichisch-deutschen Handelsbeziehungen etc., 1887. S. 19.
2 Main roth, a. a. 0., S. 17 ff.
3 Siehe über die Vorgänge auf der Dresdener Konferenz undden bayrisch-sächsischen Antrag anf Zolleinigung aller Bundesstaaten;Sy b e I, ii. h. 0., S. Hl.
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