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Wie notwendig eine Regulierung der österreichischenValuta war, um die gewährten Verkehrserleichterungen inWirksamkeit treten zu lassen, zeigen zahlreiche deutscheBandeiskammerberichte für 1853 und die nächsten .Jahre.So schreibt die Handelskammer zu Kottbus in ihrem Berichtfür 1853:
..Der Stand der österreichischen Valuta verbietet dendortigen Konsumenten zur Zeit fast jeden bedeutenden An-kauf im Zollvereine, weil die Waren, die durch den Unter-schied von mehr als 25°/o herbeigeführte Preissteigerungin der Regel nicht tragen können". Ähnlich äussern sichdie Handelskammern zu Breslau, Landeshut i. Schi., Reichen-bach, Essen, Iserlohn, Mühlheim a. d. Ruhr, Solingen, Magde-burg, Altena, Krefeld. Elberfeld etc. Ich verweise auf dieumfangreiche Sammlung solcher Klagen bei Mamroth. dieEntwickelung der österreichisch-deutschen Handelsbezieh-ungen, Berlin 1887. 1
Bruck sah sich durch diese misslichen Valutaverhält-nisse um die Frucht seiner handelspolitischen Bemühungengebracht. Konsequenter Weise musste er suchen, dieseStörungen zu beseitigen, womöglich das österreichische Geld-wesen auf eine Grundlage mit dem deutschen zu stellen.Leider ist die Entstehungsgeschichte des Wiener Münz-vertrages von 1857 so gut wie unbekannt. In den grösserengeschichtlichen Werken findet der Münzvertrag überhauptkeine Beachtung, und auch in handelspolitischen Spezial-Schriften, wie in dem erwähnten Werke von Mamroth, wirder kurz abgethan. Mamroth spricht nur von einer „wahr-scheinlichen" Einwirkung Brucks auf dessen Zustande-kommen. 2
' Mamroth, a. a. O., S. 69: „Es wird durchweg von den Han-delskammern Preussens , aber auoh von österreichischer Seite bestätigt,dass es dio Verschlechterung der österreichischen Valutawar, welche die deutschen Industriellen zunächst abhielt, den Absatzin das jenseitige Zollgebiet zu steigern". — Folgt eine Reihe von Aus-zügen aus Handelskammerberichten. S. 60—7'i.
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