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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
Entstehung
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DER DEUTSCHE MÜKZVEREIN 1857-

1867

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In Österreich bestand gesetzlich der Konventionsfuss oder20 Gulden-Fuss, gleichfalls eine Silberwährung.

Wenn nun Osterreich den Übergang zur Goldwährungvorschlug, so geschah das wohl hauptsächlich deshalb, weilseit der Entdeckung der kalifornischen Goldfelder im Jahre1848 das Gold gegenüber dem Silber bedeutend im Wertsank und man allgemein ein noch weiteres Sinken erwartete,für Osterreich die Wiederaufnahme der Barzahlungen alsobei Annahme der Goldwährung leichter gewesen wäre alsbei einer Rückkehr zur Silberwährung.

Es mag aber auch ein politisches Motiv mitgespielthaben. Zwischen den Zollvereinsstaaten bestand schon seit1838 eine Art von Münzverein. Zwar hatte der Nordenund der Süden jeder sein eigenes Münzsystem, aber alsgemeinschaftliches Umlaufsmittel bestand das Doppelthaler-oder Dreieinhalb-Gulden-Stück. Nun mag Österreich be-fürchtet haben, dass dieses ursprünglich preussische undimmer noch als preussisch geltende Münzstück oder einanderes dieser Art als Vereinsmünze angenommen würde,für den Fall, dass man bei der Silberwährimg beharrte, wiees später auch wirklich geschah : dass aber Österreichs Stolzsich gegen die Annahme des preussichen Münzfusses alsVereinsmünzfuss sträubte, vielleicht sogar darauf ausging,dem Verein ein unter der Ägide Österreichs geschaffenesneues Münzsystem zu geben. Das Hess sich allerdings ambesten durch Annahme der Goldwährung erreichen. Wieweit dieses Motiv mitspielte, ist mir jetzt noch unmöglichzu ergründen; ich behalte es mir für später vorzunehmendeUntersuchungen vor.

Von seiten Preussens wurde der vorgeschlagenen Gold-währung der heftigste Widerstand entgegengesetzt. EineEinigung Hess sich nicht erreichen, 1855 wurden daher dieVerhandlungen abgebrochen.

Erst 1856 konnten sie wieder aufgenommen werden,denn Österreich hatte sich zur Nachgiebigkeit entschlossen. 1

1 Zur Aufklärung des Ganges der Verhandlungen mag dienen:Bruck war vom Juni 1853 an Gesandter in Konstantinopel. Finanz-minister in Österreich war damals von Baumgartner. Dieser führt von