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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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DER DEUTSCHE MÜNZ VEREIN 18571867.

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Thatsächlich schloss Österreich am 31. .luli 1867 einePräliminarkonvention mit Frankreich . Nach derselben er-hält Österreich den Gulden im genauen Wert von 2 1 /sFranken Gold als Münzeinheit und lässt künftig voml. Januar 1870 ah Goldstücke nur in Gemässheit dieserKonvention, und zwar zu 4 Gulden = 10 Franken, zu 8Gulden 20 Franken und zu 10 Gulden- 25 Frankenprägen. Die Einziehung seiner bisherigen Silberkurant-münzen will es nicht über den L. Januar 1873 hinaus ver-schieben. Das endliche Ziel war nämlich nicht die Doppel-währung des lateinischen Münzbundes, welche Österreich nur als Übergangsstufe benutzen wollte, sondern die Gold-währung. Am 1. Januar 1870 hätte die Konvention inWirksamkeit treten sollen.

Das am 24. Dezember 1867 zwischen Österreich undUngarn abgeschlossene Zoll- und Handelsbündnis nahm inAll. XU. in Aussicht, dassden beiderseitigen Vertretungenbaldigst gleichartige Vorlagen zur Einführung der Gold-währung gemacht werden". Aber das Gesetz vom 9. März1870 ordnete nur die Ausprägung von I- und 8 fl-Slückenin Gold an, deren Annahme jedoch bis zur Einführung derin Aussicht genommenen Goldwährung dem freien Über-einkommen überlassen bleiben sollte. 1 Aber die ,,in Aus-sicht genommene Goldwährung" kam nicht. Wäre sie ge-kommen, auf der geplanten Grundlage und vor dem Ablaufdes Jahres 187<l. dann wäre das für alle Besitzer öster-reichischer Thaler ein grosser Vorteil gewesen. Osterreich hätte den Thaler zu l'/s Gulden Gold. d. h. zu 3 ]i U FrankenGold einlösen müssen, während drei deutsche Reichsmark,der spätere deutsche Tarilierungswert des Thalers nur 3 19 /27Franken sind, das ist etwa 4'/- Gentimes weniger. Die demgeplanten österreichischen Währungswechsel zu Grunde ge-legte Relation 1 : 15,308 war für das Silber so günstig,dass binnen kurzer Zeit alle österreichischen Thaler nachÖsterreich zurückgekehrt wären und sich in Goldgeld ver-

1 Denkschrift über den Gang der Währungsfrage, 1892; verlasetim k. k. Finanzministerium.