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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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II. ABSCHNITT.

geringen Kosten 1 Pfund Silber zu verschaffen, konnteandererseits der Wert von 30 Thalern sich bedeutend überden Wert von 1 Pfund Silber erheben, da nicht mehr diedirekte Möglichkeit vorhanden war, ein Pfund Silber gegengeringe Prägekosten in 30 Thaler zu verwandeln. Es konnteliiin der Fall eintreten, dass zwar das Angebot von Roh-silber die Nachfrage weit überstieg, andrerseits die Nach-frage nach gesetzlichem Zahlungsmittel, nach gemünztemSilber, sehr stark war, ein Fall der bei freier Prägung nievorkommen kann, und welcher den Wert des Geldes überseinen Stoifwert heben muss. 1 Dieser Fall trat in dieAugen springend in den Jahren 1873 bis 1875 im nieder-ländischen Geldwesen ein; 2 auch bei der Betrachtung derösterreichischen Valutaverhältnisse vom Jahre 1871) anwerden wir uns an diese Thatsache erinnert fühlen. Inunserm gegenwärtigen Falle war also die Möglichkeit ge-geben, dass einer, der Silber besass und Thaler dafür er-werben wollte, im dringenden Bedarfsfalle mehr als 1 PfundSilber für 30 Thaler gab, und dass der andere umgekehrtfür 1 Thaler mehr als V 3U Pfund Silber erhielt, also mehrals den Stoff wert eines Thalers.

Hier ist jedoch zu bemerken: Ein freies, unein-geschränktes Erheben des Geldwertes einer bestimmtenMünzsorte mit gesperrter Prägung über ihren Stoifwertkann nur dort stattfinden, wo nicht eine andere Münzsorte,welche mit der ersteren durch gesetzliche Tarifierung ver-bunden ist oder sie wenigstens in ihrem Geldcharakterirgendwie vertreten kann, frei vermehrbar ist. Eine solcheMünzsorte hatten wir nun an den neuen Reichsgoldmünzen.Deren freie Ausprägbarkeit vorausgesetzt, konnte der Geld-wert einer Krone niemals nennenswert über den Wert von

1 Nasse: Die Münzreform und die Wechselkurse, Hirths Annulen1875 8. 604: und er bekommt für 1 Pfund rollen Silbers noch langekein Pfund Silber in Silberthalern, weil die eingeschränkte Ausprägungder Thaler denselben eine Art von Monopolpreis verschafft, der mitdem Preise des rohen Silbers gar nichts mehr zu thun hat".

2 Nasse, a. a. 0., S. 604 und 605. Hamberger, Reiehs-gold, S. 145 ff.