DIE ÖSTER. THALER IN DER DEUTSCHEN MÜNZREFORM. 47
Aber die österreichische Regierung bleibt jaimmer noch! Diese kann ihr eigenes Gehl doch unmöglichohne Einlösung ausser Kurs setzen. Vertragsmässigist sie Deutschland gegenüber allerdings nicht mehr gebunden,aber das versteht sich doch von selbst, dass ein Staat, derseine Münzen ausser Kurs setzt, sie auch einlöst. — Gewiss!Aber wie steht es mit den österreichischen Thalern in Öster-reich selbst V — Dort ist der Thaler gesetzlich gleich 1 1 2Silbergulden. Der Gulden enthält Vir. Pfund Silber, ist nachwie vor frei ausprägbar, ruht also noch völlig auf seinerSilberbasis. Geldwert und Stoffwert fallen bei ihm zu-sammen; also auch beim Thal er. — Das ist eben derUnterschied! Im deutschen Reich hatte man denGeldwert des Thal er s an den Wertgang desGoldes geknüpft, in Osterreich ist er auf der Basisdes Silbers geblieben. Da sich der Wertgang desGoldes über den Wertgang des Silbers erhoben hatte, hatteder Thaler einen zusätzlichen Geldwert erhalten — 11 11 r i 11Deutschland, in Osterreich aber nicht,
Also in Deutschland war der Thaler u nterwertigesGehl, in Osterreich aber vollwertiges; in Osterreich fiel sein Geldwert mit seinem Stoffwert zusammen, in Deutsch-land war sein Geldwert höher als sein Stoffwert.
Wenn nun die deutsche Reichsregierung die öster-reichischen Thaler ohne Einlösung ausser Kurs setzte, dannhatte es für die Besitzer solcher Thaler gar keine Bedeutung,dass Osterreich das nicht that. In Osterreich galt derThaler nur nach dem in ihm enthaltenen Silber und um denzusätzlichen Wert weniger, den er in Deutschland deshalbgenoss, weil er, bei gesperrter Prägung für Silberkurant, mitden Reichsgoldmünzen durch eine feste Tarifierung ver-bunden war.
Dieser Unterschied zwischen dem Thalerwertin Deutsch-land und dem Thalerwert in Osterreich hatte ausser derGefahr, welche die Besitzer österreichischer Thaler in Deutsch-land für die Zukunft bedrohte, eine sehr begreifliche Wirkung.Hatte schon vorher das Papiergeld in Osterreich den grösstenTeil der Thaler und Silbergulden aus Österreich ausge-trieben, und zwar natürlich nach Deutschland, so wurde jetzt