DIE ÖSTER. THALER IN DER DEUTSCHEN MÜNZREFORM.
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sich dabei um eine Masse von ungefähr 800 000 PfundSilber. — Ich nehme an, dass sich von der Gesamtsummeder österr. Thaler 1871 mindestens zwei Drittel in Deutsch-land befanden, also etwa 24 000 000 Stück. — Damit, dassdieses grosse Angebot den Silberpreis drücken würde, hättendie Aufkäufer natürlich rechnen müssen. Das Disagio derösterreichischen Thaler hätte also ein ziemlich bedeutendeswerden können.
Und die Wirkung dieser ganzen Massrege] für denFiskus? — Die 800 000 Pfund Feinsilber hat er nun nichtmit Verlust von den deutschen Reichsangehörigen einzulösen.Den Verlust tragen diese selbst. Aber: dadurch dass diese800 000 Pfund Silber von anderer Seite auf den Markt ge-bracht worden, findet der deutsche Reichs-Fiskus, wenn ermit seinem Silberangebot auf den Markt kommt, bereitsgedrückte Silberpreise vor. Er ist genötigt, seine Silber-bestände zu unvorteilhafteren Preisen zu verkaufen, als ersie sonst hätte veräussern können. Der Vorteil, richtigerder vermiedene Nachteil für den Fiskus wäre also nichtganz so ungeschmälert, wie es auf den ersten Blick aussieht.
Aber davon ganz abgesehen: Der Staat darf die zu-fälligen Inhaber der österreichischen Thaler zur Vermeidungfiskalischer Verluste den aus einer Ausserkurssetzung derösterreichischen Thaler entstehenden Schaden nicht auf-bürden. Durch seine Gesetze hat er sie zu deren Annahmezum vollen Wert eines deutschen Thalers gezwungen, undwenn er ihnen nun die Geldeigenschaft entzieht, so musser die daraus entstehenden Verluste auf die Gesamtheitübernehmen.
Diese Unvermeidlichkeit könnte man als etwas wider-sinniges ansehen. Thatsächlich verscbloss sich ihr gegen-über die deutsche Reichsregierung späterhin, so lange esirgend anging. — Wie kann das deutsche Reich verpflichtetsein, ein unterwertiges, fremdes Geld einzulösen undsich dadurch Verluste zuzuziehen?
Der Widerspruch erscheint sofort als gelöst, wenn mandie zur Zeit des VVährungswechsels in Deutschland um-
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