DIE ÖSTER. TIIALER IN DER DEUTSCHEN MÜNZREFORM. 59
land hinübergeströmt und in Deutschland geblieben; be-züglich ihrer Einlösung und Ausserkurssetzung hätten sichdieselben Schwierigkeiten gezeigt. Für Deutschland wareben mit der Einführung der Goldwährung der Wert desGoldes das Unveränderliche geworden, mit dem man alleDinge misst; für Osterreich wäre das Silber das Un-veränderliche geblieben. Auch dann wäre für Österreich der Geldwert eines Thalers mit seinem Stoffwert zusammengefallen, der Thaler also eine vollwertige Münze gewesen;in Deutschland dagegen eine unterwertige, vermöge der ge-sperrten Prägung für Silber und seiner Tarifierung in Gold.Auch dann hätte für Österreich keine Liquidationsfrage be-standen, weil eine solche für vollwertige Münzen nicht be-stehen kann. Für Osterreich wäre also die Situation muhdieselbe gewesen wie 1867, als beide Teile noch Silber-währung hatten, und eine Liquidation infolge dessen voll-ständig überflüssig und unmöglich erschien.
Aber darüber waren sich damals die wenigsten Köpfeklar. Die meisten suchten den Grund der ganzen Frage inder österreichischen Papierwährung, auch Delbrück war last ein Jahr später noch nicht ganz frei von dieserVorstellung; 1 während doch offenbar der deutscheWährungsWechsel an der Verschiedenheit des deut-schen und des österreichischen Geldwertes der Thaler schuldwar. Die Frage spielte durchaus nicht zwischen Metallund P a p i e r, sondern zwischen Gold und Silber. AlleVertröstungen auf eine Rückkehr Österreichs zur »Me-tallwährung" waren also taub und leer.
Kurz zusammen gefasst war nach dem Münzgesetzvon 1878 die Stellung der österreichischen Thaler in Deutch- land die folgende:
Eis zum Eintritt derReichsw ä h r u n g warensie gesetzliches Zahlungsmittel gleich den deut-schen Thalern. Mit Eintritt der Reichswährung ver-
1 Sten. Ber. dos deutschen Reichstags, 1874. Verhandlungen vom11. April.