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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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DIE ÖSTERREICHISCHEN GULDEN IN DEUTSCHLAND .

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Während die zweite Thalereinwanderung, wie oben gezeigt,direkt durch die Massregeln der deutschen Reichsregierungveranlasst wurde, traf bei den Gulden die Schuld dasdeutsche Publikum. Die österreichischen Thaler waren jawährend und nach der Münzreform durch Landesgesetze dereinzelnen Staaten gesetzliches Zahlungsmittel, jeder-mann musste sie zum Wert eines deutschen Thalers inZahlung nehmen; die österreichischen Gulden dagegen ge-nossen das muss immer wieder betont werdennirgends in Deutschland einen gesetzlichen Kurs,wenn auch die deutschen Regierungen durch die erwähntenSeparatartikel von 1867 sich verpflichtet hatten, ihren Um-lauf im Privatverkehr zu dulden. Nach 1870 hatten siejedoch die Freiheit, den österreichischen Gulden zu verbieten,durch Ablauf der vertragsmässigen Frist zurück erlangt.Gebrauch davon machten sie vorerst nicht. Das Publikumwar also nicht gezwungen, österreichische Gulden zu irgendeinem Kurs in Zahlung zu nehmen; aber es hatte sie bishergenommen, und nahm sie barmlos auch weiterhin. In ver-zeihlicher Unkenntnis der Dinge begriff es nicht, dass der-selbe Gulden, welcher immer an sich selbst gleich 2 /3 Thalergewesen, nun auf einmal weniger wert sein sollte, da sich,in seinen Augen wenigstens, der Thaler nicht veränderthatte, und der Gulden ja auch in Wirklichkeit noch immerderselbe Gulden war. Es ging eben damals nicht in dieKöpfe, dass wohl der Gulden Silber münze und Silber-geld geblieben, der Thaler aber nur S i 1 b e r m ü n z e ge-blieben , seinem Wesen nach aber Goldgeld gewordenwar. Man nahm also den Gulden nach wie vor zum Wertvon 2 /a Thaler.

Die notwendige Folge dieser Verhältnisse war, dass dievorhandenen österreicbisclien Gulden in geradezu uner-schöpflich scheinenden Strömen in Deutschland eindrangen,zur grossen Bestürzung aller münzpolitisch Denkenden.Sie zogen deren volle Aufmerksamkeit auf sich, währenddie österreichischen Thaler damals so gut wie gar nichtbeachtet wurden. Und mit vollem Hecht. Die von denösterreichischen Gulden drohende Gefahr war in der That

Helfferieh, Die Folgen des deutsch -österr. Münzverein? von 1857. 5