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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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III. ABSCHNITT.

viel grösser, als die von seiten der Thaler. Da letzterenicht mehr ausgeprägt wurden und nur etwas über 31Millionen Thaler davon vorbanden waren, erschien die vonihnen drohende Gefahr gewissermassen als kontingentiert.Die österreichischen Gulden dagegen fassten unsere Gold-währung geradezu an der Wurzel. Jedermann konnte mitdeutschem Gold das billiger gewordene Silber kaufen, inWien in Guldenstücke ausmünzen lassen und den Guldenzu 8 ;3 Thaler in Deutschland ausgeben. Solche Operationenscheinen in der That in nicht unbedeutendem Masse aus-geführt worden zu sein. Es war also in Deutschland eineZeit lang eine thatsächliche Alternativ-Währung vorhanden,bei welcher in Berlin das Gold, in Wien das Silber freiausprägbar war; das musste uns binnen kurzer Zeit direktzur Silberwährung zurückführen.

Die deutschen Regierungen begriffen fürs erste dieGemeingefährlichkeit des österreichischen Guldens nicht.Da sie ihm keinen gesetzlichen Kurs gegeben hatten,glaubten sie sich auch der Pflicht überhoben, hier einzu-schreiten. Als eine gröbliche Fahrlässigkeit muss es nichts-destoweniger bezeichnet werden, dass in Süddeutschland anden öffentlichen Kassen, trotz der veränderten Sachlagedie österreichischen Gulden zu 1 11. 10 kr. südd. = 2 /a Thalerin Zahlung genommen wurden, und zwar so gut wie all-gemein. Zum mindesten hätte man nach der Publikationdes Gesetzes vom 4. Dezember 1871 deren Annahme an denöffentlichen Kassen verbieten müssen. Das geschah aberzunächst noch nicht.

Indes wies die Filiale der preussisehen Bankzu Frankfurt am Main schon im Januar 1872 Zahlungenin österreichischen Gulden zurück, und alsbald verweigerte 1dort auch der gesamte Handelsstand deren Annahme inZahlung. Ähnliches geschah bald darauf in Württem-berg und Baden. Diese Massregeln bewirkten eine akuteKompression der vorher über ganz Süddeutschland gleich-massig zerstreuten österreichischen Gulden im KönigreichBay'ern. Das erregte bei der bayrischen Regierung denndoch Bedenken, und am 13, März 1872 verweigerte die