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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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III. ABSCHNITT.

kommt, legt das in ihre Depots, lässt ihr Silber aus denDepots heraus, und ihre Gulden oder Thaler gehen nachDeutschland . Das ist auch eine Art Umprägung".

Zweitens: Es wurden Silberbarren direkt nach Oster-reich geschickt, ausgeprägt, und als Guldenstücke nachDeutschland zurückgebracht. 1

Diese letztere spekulationsweise Prägung wurde auchvon Delbrück bestätigt. 2 Sie geht auch ganz unzweifelhaftaus der Statistik der österreichischen Ausmünzungen hervor.Nach denTabellen zur Währungstatistik" des k. k. Finanz-Ministeriums wurden an 2 Gulden-, 1 Gulden- und V 4 Gulden-stücken geprägt:

1869: 1,846292 fl.1870: 5,0953231871: 8,350 831 .,1872: 8.377 1931873: 10,364 8801874: 4.639 763 .,

Es scheint mir evident klar zu sein, dass die grosseAusmünzung im Jahre 1873 und die unvermittelt darauffolgende geringe im Jahre 1874 auf der spekulationsweisenGuldenprägung, welche in der zweiten Hälfte des Jahres1873 unmöglich gemacht wurde, beruht.

Man sieht, es war eine ganz eigentümliche Lage, inwelcher sich damals das deutsche Münzwesen befand, undes erscheint heute verwunderlich, dass es in diese Lage hatgeraten können.

Die Schuld daran lag nicht darin, dass man die er-wähnten Vorgänge nicht beachtet hätte. Im Gegenteil!Alles beschäftigte sich damals mit den österreichischenGulden. Man nehme nur eine Zeitung aus jener Zeit, odernoch besser die Reichstagsverhandlungen über das Münz-gesetz zur Hand. Die Schuld liegt vielmehr in einer totalen

1 Sten. Bor. d. deutsch . Reiohstags, 1R7:>. 10. Sitzung, 28. März1873, S. 124.

- 17. Sitzung, 22. April 1873. Sten. Bor. , S. 259.