Druckschrift 
Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

DIE ÖSTERREICHISCHEM GÜLDEN IN DEUTSCHLAND . 69

B e g r i f fs v o L' w i r r u n g in Sachen des Geldwesens, welcheallgemein die Köpfe eingenommen hatte. Es ist nicht leicht,von der überall herrschenden Unklarheit in diesen Dingenein klares Bild zu geben. Ich wage nur ein Bild von dieserVerwirrung zu zeichnen, wie sie sich in den Verhandlungendes Reichstages offenbarte, welches also jedenfalls nocheine Verfeinerung der im grossen Publikum herrschendenUnklarheit darstellt.

Da waren denn zunächst einige wenige, welche dieSituation völlig klar überschauten, hauptsächlich Bam-berger und Michaelis. Letzterer fasste in der Sitzungvom 22. April 1873 den Kern der Sache mit folgendenWorten treffend zusammen:

Die Möglichkeit, die Goldwährung durchzuführen undaufrecht zu erhalten, beruht einzig und allein darauf, dasswir feste Hand auf unserem Silberumlauf haben, dass wirdie Möglichkeit haben , unsern Silberumlauf ausschliesslichzu erhalten und fremde Silbermünzen auszuschliessen; dennsobald wir fremde Silbermünzen leicht zulassen, bekommenwir ganz ohne Zweifel an Stelle der Goldwährung praktischdie Doppelwährung." 1

Diese klaren Köpfe waren indes sehr in der Minderheit.

Die zweite Kategorie war diejenige der Halbunklaren,die zwar nicht in den Kern der Frage eingedrungen waren,immerhin aber wenigstens noch logische Ansichten vomStandpunkt irgend welcher vorgefassten, nicht geprüftenMeinung vorbrachten.

Dahin gehören einmal diejenigen, welche die iixe Ideevon der Unabänderlichkeit und Göttlichkeit der Relation 1 zu15V'2 nicht abstreifen konnten, denen auch für die Gold-währung jede Silbermünzevollwertig'' ausgeprägt war,wenn sie es im Verhältnis von 1: 15 1 /* war. So z. B.Dr. M. Mohl, der Hauptverteidiger der Doppelwährung imReichstag,Sie (die österr. Gulden) zirkulieren mit dempreussischen Thalergeid in Einklang, mit welchem sie ganz

1 Sten. Her., S. 255.