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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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DIE ÖSTERR. THALER I. DEUTSOHL. N. D. MÜNZREFORM. 87

nennen. Politisch war von nun an die Ausserkurs-setzung der österreichischen Thaler ohne Einlösung ausser-halb des Denkbaren. Delbrück selbst hatte ja am 11. April1874 namens der Reichsregierung im Reichstage erklärt:dass es eine harte Unbilligkeit sein würde, ihre (derösterreichischen Thaler) Besitzer der Gefahr auszusetzen,welche mit einer plötzlichen Ausserkurssetzung verbundenist." Was heute harte Unbilligkeit ist, bleibt es auchmorgen. Die österreichischen Thaler konnten nicht aufeine Weise aus dein Verkehr gezogen werden, auf welcheihre zufälligen Inhaber geschädigt worden wären; das warauch von der Reichsregierung definitiv anerkannt.

Nichsdestoweniger hatte es die Reichsregierung ab-gelehnt, die Verpflichtung zur künftigen Einlösung derösterreichischen Thaler, welche sie thatsächlich schontrug und thatsächlich auch in dem eben erwähnten Satzeanerkannt hatte, gesetzlich zu übernehmen; und zwarunter Hinweis auf die Möglichkeit einer günstigerenGestaltung des Silbermarktes und der österreichi-schen Valuta-Verhältnisse. Prüfen wir diese beidenAussichten!

Eine Besserung des Silbermarktes war nach den that-sächlichen Verhältnissen nicht zu erwarten; sie trat auchin der Folgezeit nicht ein, sondern ihr genaues Gegenteil. Setzen wir aber den Fall, sie wäre eingetreten, was derdeutschen Reichsregierung im Jahre 187-1 ja immerhin alsmöglich erscheinen konnte. Wäre das Silber in sein altesVerhältnis zum Golde zurückgekehrt, zur Relation von1 : 15,5, oder gar über diese Relation gestiegen, dann aller-dings wäre durch eine Weigerung der Reichsregierung, dieösterreichischen Thaler einzuziehen und zu '6 Mark dasStück einzulösen, niemand geschädigt worden. Einlösungoder Nichteinlösung wäre dann für die Thalerbesitzer völliggleichgiltig gewesen, weil der Stoffwert des Thalers dannwieder mit seinem Geldwert zusammengefallen wäre. Aberauch für die Reichsregierung hätte es für diesen Fall garkeinen Sinn gehabt, die Einlösung der österreichischenThaler abzulehnen, da ihr ja aus einer Einlösung unter