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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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VI. ABSCHNITT.

Thalers über seinen Stoff wert im deutschen Reich, unddie Versäumnis einer rechtzeitigen Aussperrung dernoch draussen befindlichen Stücke. Also im ersten Falleüberhaupt keine Schädigung Deutschlands , im zweiten Falleallerdings eine Schädigung, aber durch die Schuld der deut-schen Gesetzgebung selbst.

Für Österreich lag mithin absolut kein Anlass vor, dieUnterwertigkeit seiner Thaler ganz auf sich zu nehmen.Es war schon eine an er k e n n e n s w e r t e K onzession,wenn es sich herbeiliess, einen Teil derselben zu tragen.

II. DAS ABKOMMEN ZWISCHEN DEM DEUTSCHENREICHE UND ÖSTERREICH .

Noch ehe die besprochene Gesetzvorlage im deutschen Reichstage zur Beratung gelangte, traten Österreich und das deutsche Reich über die endgiltige Liqui-dation der österreichischen T h a 1 e r mit einanderin Unterhandlungen. Es kam ein Vergleich zustande,den nach Herkommen wohl beide Teile schlecht finden,aber doch besser als einen guten Prozess." (Bamberger).'Der Text des Abkommens ist bis heute nicht veröffentlichtworden, jedoch ist sein Inhalt durch offizielle Mitteihmgenhinreichend bekannt.

Österreich fand sich bereit, von den in Deutschland befindlichen österreichischen Thalern 8 2 /3 Millionen Stück,gleich 26 Millionen Mark, den Thaler zu 1 1 /a Gulden ö. W.,die Gesamtsumme also zu 13 Millionen Gulden, zu über-nehmen. Man veranschlagte damals den noch vorhandenenGesamtbestand der österreichischen Thaler auf 78 MillionenMark. Osterreich übernahm also davon ein Drittel.

Natürlich war Österreich verpflichtet, diese Thaler zudemonetisieren oder einzusperren; denn sobald sie wiederausgegeben wurden, mussten sie nach Deutschland zurück-strömen. Die Überführung des österreichischen Anteils

1 Silber. I. Teil.