DIE LIQUIDATION.
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sein guter Ruf nicht geschädigt werde durch Verkündungder Thatsache, dass es eine seiner Geldsorten ohne Ein-lösung verrufe. 1 Diese Sorge machte Osterreich geneigt,ein Opfer zu bringen, wobei es zugleich die Stimmungseines Bundesgenossen schonte — also nicht ein Rechts-grund gegenüber dem deutschen Reich, sondern nur dasInteresse, vor der Welt sauber zu erscheinen.
Schliesslich hatte Osterreich noch von den Zeiten desdeutschen Münzvereins her ein schlechtes Gewissen, mitwelchem belastet es sich nicht so ganz auf seinem Scheinzu bestehen getraute. Es hatte, allerdings unter dem Druckeder politischen Verhältnisse, trotz gegenteiliger Abmachungenden Zwangskurs für sein Papiergeld beibehalten, und diemitvertragenden Staaten waren rücksichtsvoll genug ge-wesen, ihm diesen Vertragsbruch nachzusehen. 2
Das waren aber immerhin noch keine Gründe, welcheOsterreich bestimmen konnten, den ganzen Betrag seinerThaler zurückzunehmen , die seit vielen Jahren aus seinerZirkulation verschwunden waren, deren Existenz und Um-lauf also dem Interesse Österreichs in nichts gedient hatte.Zudem waren sie seiner Zeit vollwertig ausgeprägt worden,die deutschen Staaten hatten an dem vor der Münzreformerfolgten Einströmen der österreichischen Thaler keinenSchaden erlitten, höchstens einen nicht erheblichen Münz-gewinn nicht gemacht — wenigstens ist das meine Ansicht,und ich habe sie oben ausführlich entwickelt. — An demnach der Münzreform erfolgten Einströmen der österreichi-schen Thaler nach Deutschland, welches uns schädigte, weildamals die Thaler schon unterwertig waren, trug nicht derZwangskurs in Österreich die Schuld, sondern der durchdie deutschen Massnahmen herbeigeführte Uberwert des
1 A. Ostersetz er, Zur Geschichte der österreichischen Vereins-thaler, Dorna „Volkswirtschaft!. Wochenschrift" v. 19. Nov. 1891, S.409. „Geschehen muss, was Rechtens und unseres Staates würdig ist."
2 Die Frage ob durch diesen Zwangskurs die deutsche Zirkulationmit österr. Thalern überfüllt worden sei, habe ich bereits obenerledigt.
Helfferich, Die Folgeil des deutsch -Österr. Münzvereins von 1857. 8