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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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VI. ABSCHNITT.

dem Wegfall des bei Einschmelzungen sich ergebenden,erfahrungsgemäss auf 3,l°/oo zu schätzenden Verlustes infolge von Abnutzung der Münzen beruhen. Naturgemässwäre ein derartiger Verwertungsmodus ausgeschlossen, fallsdie Thaler in Österreich selbst ausser Kurs gesetzt würden,bevor die Ausserkurssetzung in Deutschland hätte erfolgenkönnen."

Die Möglichkeit einer solchen im unangenehmenSinne des Wortes zuvorkommenden Ausserkurssetzungder Thaler in der österreichisch-ungarischen Monarchiewurde also auch von Seiten der Reichsregierung ins Augegefasst; der deutschen Reichsregierung war es also auchvöllig klar, dass Österreich zu einer solchen Ausserkurs-setzung unbedingt das Becht hatte, und dass sie dieserMöglichkeit mit gebundenen Händen wehrlos gegenüberstand.

Die österreichisch-ungarische Regierung hätte uns alsoruhig auf ihren Thalern sitzen lassen können, und Deutsch-land wäre nichts übrig geblieben, als sich darein zu finden,oderder Appell an die letzte Instanz, an die der Kanonen"wie Bamberger 1 schreibt; also Entscheidung der Frage durchdie nackte Gewalt. Aber obwohl in Geldsachen die Ge-mütlichkeit aufhört, lässt man doch nicht wegen einigerMillionen ohne weiteres gegen seinen besten BundesgenossenBatterien auffahren!

Andererseits konnte Osterreich gewissermassen auspolitischen Anstandrücksichten sich gegenüber seinen Thalernnicht völlig ablehnend verhalten. Diese Thaler trugen dasBild des österreichischen Kaisers und den österreichischenDoppeladler. Dies beweist allerdings nur. dass sie Münzenösterreichischen Ursprungs waren. Daneben warensie aber zweifellos auch österreichisches Geld; aller-dings auch deutsches Geld und ganz im deutschen Umlauf.Es erhob sich also die Frage: Kann Osterreich eine seinerGeldsorten ohne Einlösung ausser Kurs setzen? Einensolchen Schritt wollte Osterreich, um sein Ansehen zu wahren,nicht thun. Osterreich hatte also mir das Interesse, dass

1 Silber, I. Teil, in der .,Nntion" 1S92, Nr. 29 auch in Sonder-ubdruck erschienen.