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Die Silberenquete : Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger / Von Otto Arendt
Entstehung
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Kapitalist hiergegen schützen? Wie soll er sein Kapital an-legen, wenn er nach Bambergers Meinung Hypotheken kündigtund deutsche Effekten verkauft, und was soll der auswärtigeKapitalist für die verkauften deutschen Effekten sich anschaffen?Ueberall, in allen Staaten würde ja genau derselbeSturm"unternommen, genau dasselbeMißtrauen" entstehen müssen.Die unglücklichen Kapitalisten aller Länder könnten höchstensder Türkei ihre Gelder leihen, die vielleicht außerhalb des Ab-kommens bleibt, aber wahrscheinlich würden trotz des Bimetallis-mus deutsche, französische, holländische Staatspapiere doch nochfür sicherer gelten, als Werthpapiere, deren Rückzahlung inGold die Türkei verspricht.

Diese Dinge sind so klar, daß es recht unvorsichtig vonHerrn Dr. Bambcrger war, den Glauben seiner Gefolgschaftin Handels- und Börsenkreisen an seine Unfehlbarkeit dadurchzu erschüttern, daß er Behauptungen von solcher Tragweiteaufstellt, deren absolute Unrichtigkeit jeder Geschäftsmann ohneweiteres durchschaut.

Seit der Suspension der indischen Silberprägungenbesteht kaum noch eine Meinungsverschiedenheit, daß dieWährungswirren zu ernsten Schädigungen der Geschäftsweltführen. Die Meinungen mögen darüber auseinandergehen,ob und wie die Regelung der Silbcrfrage zu erreichen ist,aber daß diese Regelung dringend erwünscht sei, das zu be-streiten fällt heute nur noch einigen verblendeten Fanatikern ein.

Bamberger gebraucht offenbar wieder den alten Kunstgriff,sich so zu stellen, als ob es sich darum handele, daß Deutschland allein irgend etwas zu Gunsten des Silbers thun solle. Dasist, gelinde gesagt, unehrlich, denn die Bimetallisten habenimmer und immer wiederholt, daß sie jedes isolirte VorgehenDeutschlands verwerfen und lediglich und ausschließlich eineinternationale Regelung anstreben. Nach den Erklärungen,welche Graf Mirbach und ich in derNorddeutschen Allgem.Zeitung" veröffentlichten, kann doch hierüber ein Zweifel nichtmehr bestehen. Graf Mirbach ist Mitantragsteller des AntragsGraf Kanitz, den man sich bemühte, mißzuver stehen, um denBimetallisten unterzuschieben, daß sie ein isolirtes VorgehenDeutschlands anstrebten. Der Antrag Graf Kanitz ohne vorher-gehende internationale Verständigung bedeutet einfach eine ArtBlandbill für Deutschland und würde ebenso wie diese miß-