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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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ächten Parisern zusammen, die ihn in andere Kreise weitereinführten. Auf diese Weise erhielt er Eintritt in die .Salonsder Madame Didier, der Frau Planat de Lafaye, der GräfindAgoult und vor Allem in den der Schwester des GrafendAlton-Shee, einer Madame Jaubert, mit der das EhepaarBamberger eine Freundschaft für das Lehen schloss, die sichauf deren Tochter und Enkelin weiter bis zum Tode Bam-bergers erstreckte.

Und neben diesem grossen geselligen Verkehre fand derviel geplagte Geschäftsmann noch Zeit, sich um die deutsche Politik zu kümmern und literarische Unternehmungen zufördern, welche in die neu begonnene Bewegung einzugreifenbestimmt waren! In dem Jahrzehnt der allgemeinen euro-päischen Reaction hatte er sich in die Geschäfte einarbeitenmüssen. Die Aussichtslosigkeit jeder politischen Thätigkeithatte ihm das erleichtert. Sobald aber nur Zeichen auf-tauchten , die den umschlagenden Wind verriethen, regtensich auch bei ihm wieder sofort die alten Interessen undNeigungen. Dem Anstosse, den die deutsche Frage durchden Wechsel der Regierung in Preussen erhielt , legten dieFlüchtlinge zwar zunächst keine grosse Bedeutung hei. Standhei ihnen doch der Prinz von Preussen noch in zu böser Er-innerung, namentlich von Baden her. Dass in Europa , undmittelbar dadurch in Deutschland , sich grosse Dinge vor-bereiteten, fühlte Bamberger viel deutlicher aus der berühmtenNeujahrsrede heraus, die der Kaiser Napoleon III . 1859 anden österreichischen Gesandten richtete. Der alte habs-burgische Kaiserstaat galt ihm als der Hort, aller politischenund kirchlichen Keaction. Wurde er aus Italien herausge-drängt, so schien ihm eine Rückwirkung hiervon auf Deutsch-land unausbleiblich. Nun fand der scharfsichtige Politikeraber, dass die .Stimmung des deutschen Volkes, namentlichim Süden, in dem sich immer schärfer entwickelnden Con-Iliete zwischen Frankreich und Oesterreich sich nach derösterreichischen Seite hinneige, ja dass viele seiner eigenenParteigenossen in unklarer Gefühlsaufwallung gegen diegerechten Aspirationen der Italiener sich ereiferten. Das