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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
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ergründen gesucht und sie uns in drastischen und launigen»Schilderungen, nach ihren markantesten Zügen durch Erzählungeigener Erlebnisse und lustiger Anekdoten in seinenEr-innerungen vorgeführt. Da ihn, wie er seihst von sich be-kennt,die Menschen immer und überall mehr interessirtenals die Dinge (Er. S. 357), ziehen in ihnen eine Menge Leuteder verschiedensten Stände, Künstler, Gelehrte, Geldmänner,Dichter, Schriftsteller, Schriftstellerinnen, Salondamen, Schau-spieler und Schauspielerinnen u. s. w., in buntem Durchein-ander mit ihren Freuden und Leiden, Sitten und Unsitten,Ansprüchen und Naivitäten in scharfen, aber immer von einemwohlwollenden Humor und überlegener Skepsis umrahmtenMomentbildern an uns vorüber. Ein Culturhistoriker wirddiese Zeichnungen aus den Zeiten des zweiten Empire stetsdankbar begrüssen und mancher Freund der Literatur ihneneinzelne werthvolle Notizen entnehmen können. Wenn ichvon Malern die Namen Ricard, Fromentin, Chenavard, Heil-huth, Güterbock, von Gelehrten die Namen Renan, Littre,Jules Simon, Sainte-Beuve, Henri Martin , Taine, Lanfrey,Morthner Ternaux, von Schriftstellerinnen die George Sand ,die Gräfin dAgoult, Juliette Adam, von Dichtern Lamartine ,Alfred de Müsset, von Bankiers die Königswarter, BaronHirsch, von Journalisten Nefftzer , Mazade, Lavertujon nenne,von unzähligen anderen interessanten Persönlichkeiten, wieBerryer, dAlton - Shee etc., ganz abgesehen, so kann mansich eine Vorstellung von der bunten Gesellschaft machen, inder sich Bamberger bewegte. Hatte er es natürlich sichund seiner Frau in erster Linie zu verdanken, dass er mitso vielen hervorragenden Menschen bekannt und mehr oderweniger befreundet wurde, so wurde ihm das natürlich auchdurch seine freie Stellung in dem grossen Bankhause unddurch seine Beziehungen zu Moritz Hartmann und dem Ro-mancier Louis Ulbach sehr erleichtert. Lernte er bei seinemalten Freunde, der längere Zeit in Paris krank darniederlag,die diesen zahlreich besuchenden literarischen und künst-lerischen Grössen Frankreichs und des Auslandes kennen, sofand sich in dem Salon Ulbachs ein lustiges Völkchen von