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wundern, dass das Geschäft sich 1867 auflöste, als dieserArbeiter aus ihm austrat und kein geeigneter Stellvertreterfür ihn zu linden war. Bamberger hat sich dann später ankeinem finanziellen Unternehmen mehr persönlich betheiligt, alsan der Gründung der „Deutschen Bank“, deren Organisationer in Verbindung mit Adalbert Delbrück Ende der sechzigerJahre schuf, und der er den ersten brauchbaren Direktorverschaffte. Doch schon 1872 trat er aus dem Verwaltungs-rath der Deutschen Bank aus, „als er die Aera der Verleum-dung und Verunglimpfung jeder geschäftlichen Thätigkeit, diesich seitdem so mächtig entfaltet hat, von weitem kommensah“ (Er. S. 386). Das allgemeingiltige Resultat seiner Er-fahrungen auf dem Gebiete seines erfolgreichen Geschäftslebens,— Erfahrungen die seine ganze spätere politische Thätigkeitmit bestimmen sollten — fasst er dahin zusammen: „Beamten-fach und kaufmännischer Beruf sind so himmelweit von ein-ander entfernt. Daher gibt es nichts horribleres als Regierungs-einmischung in die Geschäfte; aber Regierungsleute sind nocherfahren und wohlmeinend, verglichen mit der Ueberzahl derparlamentarischen Gesetzmacher“. (Er. S. 386). —
Liest man in den „Erinnerungen“, welche BekanntschaftenBamberger in Paris gemacht, welchen Verkehr er gepflegt undwas er an politischer Schriftstellerei und Agitation währendder Jahre von 1853—1866 geleistet hat, so wird man denVorhalt des gestrengen Herrn Onkels nicht ganz unbegründetfinden. Nur ein Mann von aussergewöhnlichen Talenten, grosserArbeitskraft und vielseitigsten Interessen konnte Alles das be-wältigen , was Bamberger in Paris auf seine Schultern ge-nommen hatte.
Er hat wie Wenige Ganz-Paris studirt und kennen gelernt.Von den Gassen der Pariser Strassenkehrer an, die zumgrössten Theile seine engeren Landsleute aus Oberhessenwaren und deren Leben und Treiben er 1867 eine eingehendeAbhandlung (Ges. Sehr. I, 213 u. f.) gewidmet hat, bis hinaufin" die Salons der grossen Geldfürsten, Künstler und Gelehrtenhat er alle möglichen Schichten der Bevölkerung in ihrenspecifischen Eigenthümlichkeiten und Lebensgewohnheiten zu