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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
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Style erforderlich sind, sehr wohl zu schätzen. Niemand hatden Handelsstand gegen socialistisehe Weltverbesserer, hocli-miithige Aristokraten und die Weisheit der Gelehrten undBiireaukratcn so zu vertreten gewusst wie er. Aber nebenseiner Arbeit um materiellen Gewinnes willen wollte er sichvon seinen Studien und höheren Genüssen nicht abdrängenlassen. Dazu suchte er in den besten literarischen und artis-tischen Kreisen der Seinestadt persönlichen Umgang und fandihn zur Genüge. Dass ihm das gelang, hatte er nicht demLuxus zu verdanken, mit dem er die französischen Gelehrtenund Künstler hei sich bewirthete. So etwas konnte nur seinOnkel, hei dem z. B. Lamartine sehr hoch in der Kreide stand.Er seihst war nach den ersten sechs Jahren, in denen er mit ander Spitze eines reichen Bankhauses gestanden hatte, nocheinarmer Schlucker. Denn er hatte nur eine fixirte Jahreseinnahmevon 12000 Er. Nach acht Jahren, von denen er drei Jahrelang dem Geschäft fast ganz allein vorgestanden hatte, betrugsein Vermögen nicht mehr als 77 000 Er. (Er. S. 407.) Alsbessere Zeiten gekommen waren und er einen grösseren Ge-schäftsantheil erhalten hatte, hob sich dann sein Wohlstandso rasch, dass er bei seiner Rückkehr nach Deutschland 1867ganz gut von seinen Renten leben konnte. Das Haus Bischoffs-heim machte eben nicht nur sichere Bankgeschäfte, sondernhatte sich vielfach in grosse Bergwerksunternehmungen ein-gelassen, hei denen Jahre lang- nicht nur nichts verdient, sondernsogar zugesetzt wurde. Bei der Inscenirung und Verwaltungvon zwei derartigen Versuchen war Bamberger persönlich inerster Linie betheiligt und hat uns das ausführlich erzählt.lEr. 373 u. f. 383 u. f.). Schlug einmal ein solches Unter-nehmen ein, so wurde dann freilich rasch viel Geld gemacht.Aber immerhin war Bambergers Vermögenslage. nicht ganzsicher. Als er desshalb einmal mit seinem Onkel über dieSicherstellung seiner Frau für den Todesfall verhandelte, unddieser zwar anerkannte, dass er die Last der Geschäfte fastallein trage, meinte jedoch der Geschäftsmann, sein Neffe ent-ziehe dem Comptoir doch einen guten Theil seiner Kräfte durchseine schriftstellerische Thätigkeit. Man wird sich daher nicht