schaffte ihm hierzu von dem holländischen Ministerium desAuswärtigen eine tingirte Depesche, die er als Courier nachParis bringen sollte. Erst einmal mit ihrer Hülfe glücklichjenseits der Grenze angekommen, verblieb er unangefochtenals Fremder in der grossen Stadt. Er wurde jedoch polizei-lich sorgfältig überwacht und war so wenig gut hei derRegierung angeschrieben, dass man ihm später nicht einmaldas Droit de domicile civil, das, von der Naturalisation ganzverschieden, nur die Rechte des dauernden bürgerlichenWohnsitzes in sich begreift, bewilligte. Er konnte auch nochals Chef des angesehenen Bankhauses Bischoffsheim jedenTag polizeilich ausgewiesen werden. Das ist ihm nichtwiderfahren. Denn wenn er auch vorzugsweise die demKaiserthum Louis Napoleon feindlichen Salons besuchte, sohat er sich natürlich nicht activ an dem politischen Lehen Frankreichs betheiligt, dafür aber alle künstlerischen undwissenschaftlichen Genüsse der Stadt, genossen, die bis zumJahre 1870 hieran in Europa die reichste war.
Es ist bezeichnend für Bamberger, dass er den TheilSeiner Erinnerungen, der sich mit seinem Lehen in Paris be-schäftigt und der meines Erachtens den inhaltvollsten undculturgeschichtlich wichtigsten Theil derselben bildet (S. 266bis 498), nicht etwa mit der Darlegung seiner Stellung indem Bankhause seines Onkels, und seiner Thätigkeit undseiner Erfolge in demselben beginnt, sondern mit einerSchilderung seines socialen Lehens, seines Verkehrs mit denalten Freunden, II. B. Oppenheim und M. Hartmann, undallem Andern, was sich hieran knüpfte, anhebt. Denn wenner auch mit ganzem Ernste, grossem Fleisse und gutem Er-folge alle ihm aufgetragenen und selbsterwählten Obliegen-heiten seiner Stellung im Bankhause erfüllte, sein Sinn wardoch mehr in den literarischen und künstlerischen Interessenbefangen als in den rein geschäftlichen. Daher nimmt auch inden „Erinnerungen“ die Schilderung jener einen so breiten Raumein. Nicht als oh er von seiner Thätigkeit im Geschäfte geringgedacht hätte ! Im Gegentheil! Er wusste die geistigen Kräfte,die zu einer erfolgreichen kaufmännischen Thätigkeit im grossen