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für die geschäftliche .Laufhalm hielt, so empfand er dochnoch immer den Bruch mit seinen Wünschen und Hoffnungenauf eine wissenschaftliche Laufhalm zu tief; er wurde ganzmelancholisch und körperlich leidend. Doch die Verwandten,die ihn und seine Fähigkeiten schätzen gelernt hatten, Hessen ilm nicht wieder los. Nachdem er noch einige Wochen indem Amsterdamer Mutterhause gearbeitet hatte, wurde er,mit einem kleinen Kapitale unterstützt, in Rotterdam etablirtund gründete hier im September 1851 ein eigenes Bankhausunter der Firma L. A. Bamberger & Co. Die Anfänge warensehr bescheiden und das Lehen in der nicht sehr civilisirtenHandelsstadt hatte wenig Reiz für ihn. Sobald die Aussichtvorhanden war, dass das Geschäft sich gut behaupten werde,beschloss er nun seine Braut heinizuführen. Das war aberleichter gesagt, als getlian. Denn der Vater der Braut wolltenichts von der Verheiratlmng seiner Tochter wissen, um nichtwenigstens etwas Geld herausrücken zu müssen. Der väter-liche Consens musste also gerichtlich erzwungen werden, undder liebevolle Vater sendete statt der Ausstattung seinenFluch. Später söhnte er sich jedoch mit der Ehe aus undwollte sogar zu seinen Kindern nach Baris ziehen. Auchgerichtsseitig stellten sich der Trauung allerhand Schwierig-keiten entgegen, da der Flüchtling keinerlei Papiere übersich zur Stelle schaffen konnte. Erst nach Ueberwindungaller dieser Hindernisse traute der Bürgermeister von Rotter-dam in Anwesenheit weniger Verwandter und Freunde am5. Mai 1852 das alte Brautpaar. Bamberger fühlte sich nunviel woliler in der neuen Heimath, während seine Frau ihrkeinen Geschmack abgewinnen konnte. Sie sollte auch inHolland nicht recht warm werden. Schon im folgenden Jahreerhielt Bamberger von seinem Onkel in Paris den Antrag, insein Bankhaus als Prokurist mit einem allerdings kleinenGewinnantheil einzutreten. Da die Frau sehr energisch da-für eintrat, überwand der Mann rasch sein Bedenken. Aberso leicht wurde auch hierbei die Ausführung des Planes nicht.Bamberger konnte als deutscher Revolutionär und Flüchtlingnicht nach Frankreich hinein. Ein Amsterdamer Freund ver-