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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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die Ausweisung aller Flüchtlinge, seihst der deutschen , ausdem neutralen Königreiche. Nur durch die Intervention seinesangesehenen Onkels in Brüssel gelang es, den Ausweisungs-befehl unschädlich zu machen. Auch der Aufenthalt in Belgien behagte Bamberger sehr wenig. Er nennt die Bewohner desLandeseine überaus nüchterne, realistische Race, mehr alsdie Holländer. Wäre sein Freund II. B. Oppenheim, derdamals als Flüchtling in Brüssel lebte, ihm nicht nahe gewesen, so hätte er sich geistig ganz vereinsamt gefühlt.Seine Beschäftigung, zu der jetzt der regelmässige Besuchder Börse hinzukam, sagte ihm hier ganz besonders nicht zu.Auch später war ihm dieser Zweig seiner Thätigkeit sehrwenig erfreulich. Sobald er nur konnte (1863), hat er sichvon ihm ganz befreit. Aber vorläufig musste er noch aus-halten. Das Jahr vom Juli 1850 bis dahin 1851 war ihmaber dochdas trübseligste seines Lehens.

Es war nicht die sclnvere Anklage und Verurtheilung,die in diesem Jahre gegen den Flüchtling ausgesprochenwurde, welche ihm traurige Gedanken machte. Darin hatteer schon einige Erfahrung. War er doch schon im November1849 wegen Beleidigung der deutschen Nationalversammlung(hei der Blumfeier begangen) zu zwei Jahren Gefängnis» undwegen Amts- und Ehrverletzung der hessischen Armee zu vierMonaten Correctionshaus verurtheilt worden. Jetzt wurde eram 21. März 1851 von den Mainzer Assisen wegen einerganzen Reihe der schwersten Verbrechen, wie Hochverrathu. s. w., mit dermässigen Strafe von acht Jahren Zucht-haus bedacht und in dem folgenden Jahre von den PfälzerAssisen in Zweibrücken sogar zum Tode verurtheilt. Alledem konnte er von dem sicheren Porte aus ruhig Zusehen.Nein, was ihn aufregte, waren schwere Bedenken gegen denjetzt ergriffenen Lebensberuf im fremden Lande und unterihm unsympathischen Menschen.Er empfand nichts vondem heiligen Durst nach Gold und seine Lebensgewohnheitendrängten nicht, ihn zu erwecken (Er. S. 251). Er meinteauch, seine Fähigkeiten lägen nicht auf der Seite des ge-schäftlichen Talentes. Wenn er sich auch nicht für zu gut