Druckschrift 
Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

19

gesehener Biinkherr und Politiker wurde. Der ältere Brudersiedelte 1848 nach Paris über und gründete -dort ein rascherblühendes Geschäft. Uni den Ring zu schliessen, wurdeauch in London ein grosses Geschäft unter der Firma Bischoffs-lieim, Goldschmidt und Avigdor eröffnet, in das jetzt L. Barnberger wohl oder übel als Lehrling eintrat. Leicht wurdeihm dieser Schritt nicht. Hatte er früher den stillen Wunschgehegt, eine rein wissenschaftliche Carriere zu ergreifen, undsich dann mit dem Berufe eines Rechtsanwalts in Mainz abge-funden, so hatte er jetzt aus dem Schiffbruche seines äusserenLebens nur die Aussicht auf eine Anwaltspraxis in Amerika gerettet. Der Versuch, den er anstellte, sich in London indie Geheimnisse des englischen Rechts einweihen zu lassen,war nicht verlockend ausgefallen. Da sattelte er notlige-drungen um und trat als 26jähriger Lehrling in das Londoner Bankhaus seiner Verwandten ein. Dieser Entschluss wurde ihmdadurch leichter gemacht, dass der eigentliche Leiter des Lon-doner Hauses, Goldschmidt, ein Heidelberger Dr. jur. und einMann von gründlichster wissenschaftlicher Vorbildung war, alsoVerständniss für seinen Lehrling besass. Wenn diesem auchdie Ausführung der Comptoirarbeiten und Berechnungen nichterspart blieb, so hatte er bei einer allerdings recht ange-strengten Thätigkeit sich doch besonderer Berücksichtigungin der Behandlung zu erfreuen. Elastischen Geistes, wie erwar, konnte er die Sonntage zu journalistischen Arbeiten indeutscher und französischer Sprache benutzen. Doch befander sich in London , bei den damals noch besonders engherzigenLebensgewohnheiten und Gebräuchen der Engländer, durch-aus nicht wohl und ergriff desshalb im Sommer 1850 gerndie Gelegenheit, nach Antwerpen überzusiedeln. Sein jüngererBruder war nämlich inzwischen von London zum Chef desdortigen Hauses avancirt und berief nun den Lehrling zu sich.Im Juli 1850 landete der Flüchtling wieder auf dem Conti-nente, um zunächst einige glückliche Tage mit der Braut undderen Mutter in Ostende zu verbringen. Wäre es aber nachdem Willen der französischen Polizei gegangen, so wäre seinesBleibens in Belgien nicht lange gewesen. Denn sie verlangte

2 *