begabt, batte Anna Beimont die Lücken in ihrer Bildungrascb nachgeholt, sodass sie später einen Pariser Salon be-herrschen und die gefeiertsten Schriftsteller durch die leben-digen Erzählungen aus ihrem Jugendlehen entzücken konnte.
War es schon für ihren Bräutigam eine schwere Sorgegewesen, wie und wann er seine Verlobte einmal werdeheimführen können, als er noch ruhig in Mainz auf eineAnwaltsstelle lossteuerte, so musste er jetzt, von der Heimathlosgerissen und einer ganzen unsicheren Zukunft preisgegeben,für die Geschicke seiner Geliebten, die in ihm die einzigefeste Stütze ihres Lehens in der Heimath verloren hatte, für sieund sich um so mehr hangen. Und wenn diese Verhältnisse esihm schon sehr schwer gemacht hatten, sich von Mainz zu ent-fernen und die Waffen zu ergreifen, so mussten sie ihn jetzterst recht antreiben, bald wieder festen Boden unter die Füssezu bekommen. In Genf und später in Bern schmiedete erdaher mit den Freunden bald ernsthafte Zukunftspläne. Erbeschloss mit Kapp und Zitz nach Nordamerika auszuwandernund inNew-York gemeinschaftlich eine internationale Advocaturzu gründen. Die beiden ersten reisten auch dorthin ah, Bam-berger sollte naehkommen. Da traf ihn ein Brief seinesjüngeren Bruders, der in London in dem Bankhause seinesOnkels Bischoffsheim angestellt war und ihn zu einem Be-suche einlud. Da der Weg nach Amerika über London führte, beschloss Bamberger die Einladung anzunehmen. Aufeiner abenteuerlichen Reiseroute musste der deutsche Flücht-ling die schon damals polizeilich aufs Sorgfältigste überwachteRepublik Frankreich durchqueren. Im Herbste des Jahreskam er glücklich in London an, um Europa nicht zu verlassen.
Zwei Brüder der Mutter Bambergers, „wirklich genialeFinanzleute", wie sie ihr Neffe nennt, waren durch eigeneTüchtigkeit in die Höhe gekommen und hatten mehrere grosseGeschäfte auf den wichtigsten Handelsplätzen Westeuropas gegründet, die einander in die Hände arbeiteten. Von Amster-dam ausgehend, hatte der ältere der Brüder den jüngeren inAntwerpen etablirt, der dann nach der Trennung Belgiens von Holland nach Brüssel übersiedelte und dort ein hoclian-