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glaubte. Sie hat sich auch nie ganz nieder in Deutschland heimisch gefühlt. Ein Krebsleiden, dem sie, freilich erstacht Jahre später, unerwartet am 19. Decembcr 1874 in Wies-baden in dem Augenblick erlag, als sie sich zu einer dauern-den Niederlassung am Rheine entschlossen hatte, war wohlschon längst in ihrem Körper vorbereitet und Hess sie zukeiner rechten Hube mehr kommen. Aber auch ganz abge-sehen von all diesen privaten Schwierigkeiten, die ihm dieLoslösung von Paris bereitete, musste ihm nicht auch seineganze Zukunft in Deutschland und die politische Thiitigkeit,die er dort wieder aufnehmen wollte, als eine sehr schwierigeund in ihren Resultaten sehr problematische erscheinen? Erhatte eine ganz klare Vorstellung hiervon. Im Herbste 1866schrieb er von Wiesbaden aus: „Kein Preis winkt unsererMühe, kein Parlamentssitz ladet uns zur Ruhe ein. Heimaths-verlustig zu Hause, nie in der Versuchung gewesen, heimischzu werden in der Fremde , deutsche Bürger in partibus in-tidelium und correspomlirende Ehrenmitglieder mehrerer vater-ländischer Zuchthäuser, dem Süden zustimmend durch Em-pfindung, dem Norden durch die Besinnung, so treten wirdie Wanderschaft an, um das übel gelittene Wort der Eini-gung zu predigen“ (Ges. Sehr. III, 313). Ja, diese Einigungdes Vaterlandes war nach 1866 bei vielen noch übel gelitten,trotz allen lauten Geschreies für sie. Sobald nur persönlicheInteressen, alte Vorurtheile und Liebhabereien ins Spiel kamen,verstummte es nicht nur, sondern schlug in sein Gegentheilum. Damals machte sich die Gesinnung noch etwas un-genirter von rechts und links her Luft als das heutigen Tagesvielen räthlich erscheint. So wäre Bamberger, kaum in seinerVaterstadt kurz nach dem Frieden von Nikolsburg angelangt,fast ein Opfer der Polizei geworden. Ein übereifriger Dienerder öffentlichen Sicherheit konnte kaum abgehalten werden,ihn zu verhaften. Was aber bedeutete die Gesinnung einessolchen Polizeibüttels, der formell in seinem Rechte war,gegen den Hass, den ihm seine alten demokratischen Freundebei seiner Arbeit für die Einigung Deutschlands bald entgegen-bringen mussten? Bei der durch nichts zu beirrenden Sicher-