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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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hervorgegangen und damals wahrlich kein ..Krautjunker' war.Doch fand er, dass der süddeutsche Adtd im allgemeineneine viel wärmere Temperatur besitze, die ihn viel mensch-licher mache als den des deutschen Nordens und namentlichPreussens. Und doch hatte eben ein Mitglied von diesem esihm angethan wie kein anderer Mensch. Denn man darf wohlsagen, dass kaum ein anderes Problem den beweglichen undscharten, billig denkenden und feinfühligen (leist Bamberger'sso lange und so tief beschäftigt hat, als das, den (Iründer desdeutschen Meiches richtig zu erfassen und ihm gerecht zu werden.

Als er seine politische Schriftstellerei wieder aufgenommenhatte, trieb es ihn zunächst an, den Franzosen das Yerständnissfür den Mann, der das neue deutsche Keicli schaffen sollte, unddamit zugleich ein Yerständniss für die nationale Einheits-bewegung der deutschen Nation zu ermöglichen. Aus Deutsch-land im Spätherbst 1867 nach Frankreich zurückgekehrt,schrieb er in dem Seebade Trouville seinen Essay: Monsieurde Bismarck,ein Buch, auf das ich stolz bin, wie derGeschilderte in der Meiehstagssitzung vom 14. Juni 1882 selbstsagte *). In der Revue moderne im Februar 1868 zuerst er-schienen, wurde im Juni des Jahres eine Separatausgabe vonihm veranstaltet, die dann im 3. Bande derGesammeltenSchriften" wieder abgedruckt ist. Eine deutsche Feber-setzung, welche Bamberger durch eine inhaltsvolle Einleitung:Deutschland, Frankreich und die Revolution und durch einenNachtrag vermehrte, erschien in Breslau im Herbste desselbenJahres 2 ). Eine englische Uebcrsetzung. welche Charles FeeLewes besorgte, erst im folgenden. Das Werkelten beruht nurauf dem Eindrücke, den die Thntcn und Reden Bismarcks aufseinen Autor gemacht batten. Mündliche Mittheilungen vonEingeweihten waren freilich hinzugekommen. Nichtsdesto-weniger ist diewunderbare Richtigkeit" der Zeichnung schonhier frappant. War Bismarck für Bamberger . schon ehe erihn gesehen batte,ein höchst interessanter Mensch" ge-

*) Risninreks politische Reden, IX S. 411).

Weifen dieser Ziithatcn citire ich nach dieser Ausgabe.