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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
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ausser ilmi liegend, durch eine Militärconvention ganz anPreussen gekettet und durch das Zollparlament mit demübrigen Deutschland verbunden, war es gänzlich zerrissen.Nichtsdestoweniger behauptete sich in ihm unter dem Ministervon Dalwigk ein Regiment, das zu den antinationalsten vonganz Deutschland gehörte. Das war für den Unitarier Bam-berger Grund genug, immer von Neuem auf die Unhaltbarkeitdieser Zustände hinzuweisen. Gontlicte zwischen der (Gesetz-gebung des Grossherzogthums und der des Zollvereins bliebennicht aus. Mit Bezug auf einen solchen stellte Bamberger am18. Mai 1868 im Zollparlamente den Antrag, den Bundesrathdes Zollvereins zu ersuchen, den Beschwerden abzuhelfen,zu denen die Herabsetzung der Weinzölle durch das Zoll-parlament gegenüber dem im Grossherzogthum bestehenden.Systeme der iiulirecten Steuern geführt habe. Da der wiirtem-bergische ultramontane Demokrat Probst in diesem Anträgeeine Beeinträchtigung der süddeutschen Souveränität ent-deckte und mit der Lawine drohte, die an den Bergen überDeutschland hänge, führte das zu einer der bewegtesten undstolzesten Kundgebungen, welche die Geschichte des deutschen Parlamentarismus zu verzeichnen hat. Bismarck rief demSchwaben entgegen :Der Appell an die Furcht hat in deutschen Herzen niemals Wirkung, und der gefeiertste Redner Süd-deutschlands , Volk, verkündete:Jetzt ist Frühling gewordenin Deutschland . Bambergers Antrag drang darauf leichtdurch.

Aber nicht nur mit den Angelegenheiten seiner engerenHeimath beschäftigte sich der Abgeordnete von Mainz im Zoll-parlamente. Sein Sinn war auf Höheres gerichtet. Er warf sichauf die Frage, mit der dann später sein Name für immer ver-bunden bleiben sollte, auf die deutsche Münzreform. Diese warschon von dem deutschen Handelstage auf Betreiben Dr. Ad.Soetbeers hin angeregt worden, und eine auf sie bezüglichePetition lag dem Zollparlamente 1869 vor. Eine kleineFraktion süddeutscher national gesinnter Abgeordneter nahmsich derselben besonders wann an und trat für die Her-stellung der Münzeinheit, auf Grund des Decimalsystems und