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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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fassungsfrage und die gesummte politische Situation unterhieltsieh dann auch Bismarck sehr eingehend wiederholt mit Bam-berger. Der politische Idealismus Laskers, der alle tliat-sächlicheu Schwierigkeiten iibertiog und doch wieder auf deranderen Seite dem Particularismus zuviel coucedirte, warBismarck besonders verhasst. Um ihn und die übrigen Führerder nationalen Partei im Reichstage, die gegen die abge-schlossenen Verträge zu stimmen Willens gewesen waren, hier-von abzuhalten, sendete Bismarck dann Anfangs DecemberBamberger hinter dem Freiherrn von Roggenbach her nachBerlin . Als Bamberger am 7. December dort ankam. fand erschon alle Gefahren zerstreut und ging dann nach Mainz undvon da zu Weihnachten zu seiner Frau nach Lausanne , wosich ihm eine Gelegenheit aufdrängte, sich in die ungebahntenFriedensverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich cinzumischen. Der Versuch verlief aber resultatlos im Sande .

Für den 3. Mürz 1871 waren die Neuwahlen zu demdeutschen Reichstage, in dem sich nun die Vertretungen desNorddeutschen Bundes und des Zollparlaments auf Grundder neuen Reichsverfassung zusainmenfanden, ausgeschrieben.Dank der gehobenen patriotischen Stimmung wurde es jetztnicht so schwer, die Wahl Bambergers in Mainz durchzu-setzen, als drei Jahre zuvor. Der Gewählte begab sich nachBerlin in der Absicht, nun dort an dem Mittelpunkte derdeutschen Politik seinen Wohnsitz dauernd aufzuschlagen. Inder stillen Margarethenstrasse Nr. 18 miethete er sich in einemfreundlichen zweistöckigen Hause ein, das er später erwarbund bis zu seinem Tode bewohnt hat. Nachdem er sich imSommer 1875 in Interlaken eine kleine, durch schöne und dichteConiferen von dem Fremdentrubel abgesperrte Villa erworbenhatte (Ges. Sehr. 1,452), pflegte er in ihr die Sommerzeit,in der die Staatsmänner und Parlamentarierumgekehrt zumDachs und ähnlichen Geschöpfen ihren periodischen Schlafabhalten (Ges. Sehr. IV, 264), zu verbringen. Er hat sichdort unter seinen neuen Mitbürgern gute Freunde zu ver-schaffen gewusst und dem Gemeinwesen so gute Dienste erwiesen, dass die Interlakener ihn gern zu ihrem Ehrenbürger