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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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gemacht hätten. Das scheiterte jedoch daran, dass der deutsche Reichslmrger kein schweizerisches Indigenat erwerben, alsoauch nicht Ehrenbürger von Interlaken werden konnte.in der ersten Session des deutschen Reichstages (4. Märzbis 15. Juni 1871) trat Bainberger parlamentarisch nicht be-sonders hervor. So wichtig ihre Verhandlungen an sichwaren, so konnten sie den an sie geknüpften Erwartungennicht entsprechen. Litten sie doch natürlich unter der Nach-wirkungder alles Masses spottenden Ereignisse des Vor-jahres erheblich. Um ihnen gegenüber den rechten Mass-stab linden zu lassen, schrieb daher Bambergcr inlloltzen-dorffs Jahrbuch für die Gesetzgebung des deutschen Reichs1871 eine Art raisonnirenden Bericht über sie, der weitentfernt von der Lebhaftigkeit derVertraulichen Briefe ausdem Zollparlamente, fast geschäftsmässig belehrenden Inhaltsist und die Beschlüsse des Reichstags von dem Standpunkteder Majorität desselben aus beleuchtet.

Bedeutender als in der ersten Reichstagssession war dieThätigkeit und das persönliche Eingreifen in die parlamenta-rischen Verhandlungen von Seiten Bambergers in der zweiten,die vom 16. Oktober bis zum 1. Dezember dauerte. Kamdoch in ihr eine Frage zur Entscheidung, in der im Parlamentkein Anderer so competent war als eben er. Am 7. Novembererfolgte die Vorlage des Münzgesetzes für das deutsche Reich.Am 17. und 18. November war die zweite und am 23. die«Iritte Lesung desselben. Es ist hier nicht der Ort, die Thätig-keit zu schildern, welche Bamberger für die Durchbringung undAusgestaltung des neuen Münzgesetzes im Reichstage entfaltete,und auch nicht nöthig, die zahlreichen Aufsätze, Reden undJournalartikel, in welchen er für dasselbe gegen die Angriffe,namentlich von Seiten der Feinde der Goldwährung, bis an seinLebensende durchaus sieg- und erfolgreich eintrat, im Einzelnenaufzuzählen. Es würde das hier einen zu grossen Raum be-anspruchen und ist zur Zeit auch um so weniger nothwendig,als wir in dem vortrefflichen, alles Notlüge actenmässig be-legenden Buche von K. Helfferich, Geschichte der deutschen

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