Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
21
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Ars memorimdi.

H

DieKunst, die Erzählungen dervier Evangelisten im Gedächtnissezu behalten", ^rs memoraiM norabili-j pertiguras Lnimxelistarum etc., eine Art von Mne-monik durch Zusammensetzung derjenigen Hauptge-genstände, welche in den Evangelien vorkommen,um den Inhalt der Letzteren nach Folge der Capiteldem Gedächtnisse einzuprägen. Die Grundlage derhöchst sonderbaren bildlichen Darstellung ist jedes-mal das Symbol des entsprechenden Evangelisten,z. B. bei Johannes der Adler, bei MarcnS derLöwe, bei LucaS der Ochs und bei Matthäus derEngel.

Die Figuren dieser Attribute find stehend ab-gebildet. Die dabei angebrachten Ziffern bedeutendie Capitelzahl der Evangelien. Zur Probe be-schreiben wir das erste Bild: Der Adler mit aus-gespreitzten Beinen und Flügeln, daneben die In-schrift:Prima Hgo (im^o) Johannis." Ihm aufdem Kopfe ein Vogel (Taube) uud zu beiden Seitenhervorragende Köpfe nebst der Ziffer 1, weil daserste Capitel von der Dreieinigkeit handelt. Aufder Brust der Figur eine Laute mit der Ziffer 2in Bezug auf die Hochzeit von Cana. An derLaute hängen drei Geldbeutel, um die Wuchererim Tempel anzudeuten. Zwischen den Beinen deSAdlers ein Wassereimer mit der Ziffer 4, weil imvierten Capitel Jesus am Brunnen zu trinken ver-langt. Auf der rechten Schwinge ein Fisch, Sym-bol des Teiches BetheSda im fünften Ccwitel. Aufder linken zwei Fische, fünf Brode und eine Hostie,das Wunder der Speisung nnd die Eucharistie be-zeichnend, weil Christus im sechsten Capitel sagt:Ich bin das Brod des Lebens." Das nurDeutschland allein angehörende Werk bestehet aus15 Bildtafeln in äußerst rohen mit blasser Farbedurch den Reiber gedruckten und meist illuminirtenHolzstichen und aus 15 Blättern mit Tert, allesanopistographisch. Johannes beginnt; ihm sind 3,dem Marcus ebenfalls 3, dem Lncas 4, unddem Matthäus 5 Bilder nnd eben so viel BlätterTert gewidmet. Die Technik der Arbeit laßt anseine nahe Verwandtschaft mit der ,>^rs morisudi»schließen.

Schon aus den fünf Eremplaren der königlichenHof- und Staatsbibliothek in München und denbeiden der dasigen NniversitätS-Büchersammluuggehet hervor, daß anch uuter der OriginalausgabeVerschiedenheiten des Abdruckes vorkommen, nndman daher mehre Auslagen annehmen muß, z. B.bei Xylogr. Vlll. Bl. 8. fehlt zu Anfang deö25. Capitels dasV" (Vice«im»m <juiM»m Ol^>!-

tulum) nnd ist durch einen schwarzen Fleck ersetzt,während dieser Buchstabe in Xylogr. XI. der näm-lichen Ausgabe durch eiu verziertes VersalV"ersetzt ist, in dessen Mitte sich das Monogramm

vorfindet.

In der ersten Ausgabe licset man in der 17.und 18. Zeile auf der Rückseite deö ersten Blattes:tolle arabatum tuum et ambula", während die spä-teren (offenbare Nachschnitte) haben:tolle grabntütuum et mido." IIe!necI<eu Idee 396. und Ebert,Lcrikon, Nummer 1249. geben irrthümlich grs-bactum am Die Schlußzcile des nämlichen Blattes

in der ersten Ausgabe lautet:de

k^-k

in der zweiten:

4»

cukaristia" <^^^^^

Ct dc cwkarstia" "^^^4

Eine kritische Würdigung der Abweichungenbei der ersten und zweiten Ausgabe findet man inHeincckcn's oft erwähntem Werke:Idee geneiule<I'nno collectiv» <l'e«tiim^es", 1/e!^>«ic etc. 1771. 8.p. 394-399.; ferner in Heller's Geschichte derHolzschneidekunst, Bamberg 1823. 8. S. 364-368.und eine ebenso gediegene als ausführliche Be-schreibung des Gothaischen Exemplares gab Jacobsin seinen und Ukert'sBeiträgen zur älteren Lite-ratur" :c. Leipzig 1835. 8. S. 65-67.

Ziemlich gute Nachbildungen des Anfangs nnddes Schlusses des ersten Tertblattcs von verschiede-nen Ausgaben, sowie ein Facsimile der letzten Bild-tafel der ersten Ausgabe in der Größe des Origi-nals findet man bei Hcinecken, am angeführten