Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Ars moriendi.

Orte Seite 396. und bei VId<lin, Lidl. Sxenc. I, vi.,wo der Engel als Attribut des h. Matthäus abge-bildet ist.

Beifolgende Copie deS zweiten Bildes des Evan-gelisten Lucas nach dem Dresdener Originale wirddieses eigenthümliche Werk veranschaulichen helfen.

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DieKunst zu sterben", ^rg morieiwi,auch unter dein Titel: tcmpwtiowdu!. mm-Ien-t!um" oder ?ent!tt!one5 tlaemoms" bekannt, einvielfach übersetztes, überarbeitetes und in einerMenge späteren typographischen Drucken bekanntesWerk, bildet gleichsam den Ucbergang von denSammlungen bloßer Heiligenbilder und Bilder-terte, wo Figuren und Schrift zugleich auf einemund demselben Blatte stehen, zu den eigentlichenBüchern.

Von den 24 Blattern sind 11 mit Bildern,11 mit Tert und zwei mit der Vorrede undzwar durch die Presse gedruckt. Das Ganze stelletdie fünf Versuchungen zur Ungeduld, zum Un-glauben, zur Verzweiflung, zur Eitelkeit und zumGeiz dar, durch welche der Teufel sich um die Seeledes Sterbenden streitet. Der Schutzengel halt demBösen seine guten Eingebungen entgegen. Diesesind, sowie die Einflüsterungen des Satans aufbandartige» Spruchzeddeln im Bilde selbst darge-stellt und lauten z. B. auf der ersten Bildtafel:Satan:Infrrnus frnctus cst", ,?-fac sirutpngnui",intersicms te ipsum." Auf derzweiten der Engel:Sis firmus in fide." Hinterdem Kranken Gott Vater und Sohn nebst Maria,auf der Bettstelle ein Vogel, wahrscheinlich derh. Geist; unterhalb drei fliehende Teufel, welcheausrufen:o Victi sumus. frustra lobornvimus."(8ic!) Der eigentliche Tert aber, der eine An-weisung zum Seligsterbcn enthalt, ist auf beson-dern Tafeln, welche den Bildtafeln gegenüberstehen,eingegraben. Der Verfasser des Buches ist Mat-thäus von Krakau , Lehrer der GotteSgelahrtheit aufden hohen Schulen zu Prag nnd Paris , nachmalsGesandter des Kaisers Ruprecht von der Pfalz anTamerlan, zuletzt Bischof von Worms .

Die mit beweglichen und gegossenen Letterngedruckten Ausgaben, von denen man achtzehnlateinische, fünf deutsche , vier holländische unddrei englische kennt, die alle entweder gegen dasEnde des fünfzehnten oder zu Anfang des sechs-zehnten Jahrhunderts gedruckt sind, übergehen wirals nicht Hieher gehörig mit Stillschweigen undbemerken nur, daß weder das Spsculiim »rtisbens mor!on<Zi" noch dasloblich vnd nutzbarlichbuchelein von dcz sterben" (Leipzig 1664. 16 Bll.in 4.) noch anch derIraetatus vootoris 5aeol>iordinis (ÄrtKusi»nensIs 6s arte bsns niorienäi"damit verwechselt werden dürfen. Keines derxylographischen Bücher ist ft oft wiederholt worden,als die^.rs morienäi", wobei das holländische Ori-ginal znm Vorbild diente. Man kennt bis jetztgegen dreißig Ausgaben, darunter mehre in deut-scher, holländischer, englischer und sogar auch einein französischer Sprache, die wahrscheinlich auseiner flandrischen Officin hervorgegangen ist.

Von einer bis dahin noch unbekannten Aus-gabe hat Champollion , einer der Bibliothekare imDepartement der Handschriften an der königlichenBibliothek zu Paris , in seinem Werke:?-üeo-

Araptiis 6es Llsssics Iktins apres Iss plus be-mxmonumsns tls la Lidliotliehue Kanals <Is ?-u-is."?ar. ksnckouclce, 1837. iol. p. 103. ein gutesFacsimile deS ersten Blattes geliefert. Es ist nurzu bedauern, daß es von keinem beschreibendenTerte begleitet ist. Fast die ganze Größe der Seitenimmt ein gnt ausgeführter Holzschnitt ein, woraufder Sterbende ohne Hemde im Bette liegend darge-stellt ist, um den Hals eine Kette mit einem Kreuze.Zu deu Füßen sitzt eine weibliche Figur, ein auf-geschlagenes Buch auf dem Schoosi haltend, danebenein Schemel, worauf Gefäße; zur Seite bringt einMädchen eine Schüssel voll Speisen, ein Mannüberreicht ein Diplom mit daran hängendem Siegel,ein Anderer hebt eine volle Geldbörse lockend in dieHöhe, während ein Priester mit dem Ciborium inbeiden Händen aus der Ferne erscheint. Ueber demGanzen stehen in vier Zeilen, von denen die obersteim größern Missalcharakter, die Worte:Ars mo-riendi er ^ variis sentcntiis rollecta cum figuris adresistcndü ^ in mortis «igonc dinlwliee suggestioni